Daul Kim- eine Annäherung, versucht

November 20, 2009

Jetzt setzt sich alles wie ein Puzzle zusammen. Im Nachhinein lässt sich sowas leicht sagen.

Daul Kim, gerade mal 20 Jahre alt und erfolgreiches Model, bringt sich um. Und kleine Vorboten waren zahlreiche Einträge in ihrem Blog. Und dann fragt man sich, wieso sowas jetzt kommen musste. Wieso sich jemand vom Leben verabschiedet hat und das niemand verhindern konnte.

daul kim

Und dann gibt es so Texte, die eigentlich zeigen, was diese Person wirklich ist:

my life

is so god damn

predictable

its disgusting

its like some kind of fate you can not change

some kind of high high desire to not be alone

since child, high desires for beautiful things were strong

desire to be isolated was so strong (or i had no choice than to be isolated)

desire to be good looking was so strong.

[…]

but this endless loneliness

there must be something wrong from the core.

i worry as i take the courage to sleep

Nämlich ein trauriger Mensch, der sich isoliert gefühlt hat, alleingelassen und irgendwie ausgeschlossen. Und wenn man dann eines ihrer YouTube-Videos schaut und den Titel, keinen anderen als „A sentimental journey (i have been crying for 17 years)“, liest, dann weiß, oder besser vermutet man, dass es Menschen gibt, die kommen traurig auf die Welt. Das als Ausrede zu benutzen, einem Menschen nicht  zu helfen, ist trotzdem falsch. Jeder kennt jeden aber doch nicht wieder so gut, dass man wirklich wissen möchte, wie es seinem Gegenüber wirklich geht,wenn man selbiges fragt.
Nachdem man also die sehr traurigen und düsteren, aber dennoch auf eine eigene Art schönen Texte Dauls liest, dann wird man auch traurig. Weil so viele kleine Hinweise darin stecken, dass dieser Mensch todunglücklich ist (
the director (pierre<3) wanted me to play this girl who is happy and playful !!! and it was a challenge and also a relief cos im perverted or depressed most of the time; i wore high high heels and short short skirts to hide my depression and weakness)
und es eben nicht nur so dahingesagt war und man fühlt wie spürbar ein Hauch dieser Traurigkeit beim Lesen auf dich überspringt. Und man seufzt.

i cried cos even when im 20, i feel the same

i used to come home in a metro crying when i was 16 in paris too.

whats the point of this manifestation

really what is it

since when did i ever have a normal life anyway

it was so fucked up from the beginning its like as if this was the best way

[...]


i am not entertaintment

beat yourself with work

only cry for help when you are about to die

when you are on the floor

until no one cares

until not even yourself cares.

Mit dem Menschsein kommt das Zusammenleben. Mit dem Zusammenleben kommen Verpflichtungen, Unterdrückung, Rücksichtnahme auf das Wir. Das Ich bleibt da oft auf der Strecke und der Druck der Kultur, der auf dem Einzelnen lastet, ist enorm, manchmal und immer öfters tödlich, weil es mit den Jahrhunderten und Jahrzehnte immer komplexer wird. Manche ertragen es, manche ertragen es kaum, aber beißen sich durch, vielleicht auch weil sie Angst haben vor dem Schluss und manche sind entweder so mutig oder so ängstlich, dass sie sich entschließen, vorzeitig am Ende anzukommen, quasi mit einer Abkürzung. Dazu gehörte auch wohl Daul. Es ist schade, dass es so kommen musste, aber vielleicht war es einfach nicht vermeidbar…? Ob man das ändern kann und wenn ja wie, das sind Fragen, mit denen man sich vielleicht irgendwann in seinem Leben beschäftigt. Es hat viel zu tun mit seinem Wesen und seiner Einstellung, zahlreiche weitere Komponenten tun ihr Übriges. Ob das jetzt ein Robert Enke ist oder eine Daul Kim. Mit ihrem Tod beginnt das Nachhaken, das Hinterfragen, das nur einen Bruchteil an Zeit in Anspruch nehmen wird und das ein Problem an den Tag legt, dass so schnell nicht beseitigt werden kann .
Ich denke: Solange es die Menschheit gibt, solange gibt es Einzelne, die es nicht ertragen, niemals ertragen werden. Therapien und Anti-Depressiva hin oder her. Vielen Menschen kann dadurch geholfen werden. Andere werden sich immer vergebens bemühen. Dieses Nichts-tun-können mag einen betäubt und in einem Zustand von Unfassbarkeit zurücklassen. Aber so ist das. So ist das Leben. Unser aller Zusammensein. Das Sein, Existieren. Oft halt auch unerträglich grausam, laut und (ver-)störend.

Aber vielleicht macht es uns wenigstens eins klar: Jugend und Reichtum sind keine Wundermittel für ein erfülltes Leben. Wer sich alleine fühlt, der kann noch so schön sein. So kann vielleicht der eine oder andere, der keines der Unglückskinder ist, die sich wahrhaftig dazu berufen fühlen, zu gehen, etwas für sich mitnehmen. Und so war wenigstens der Tod dieser beiden nicht völlig umsonst.

i went to bed in the afternoon
hoping i would never wake up

Bild: www.hintmag.com
Zitate von: iliketoforkmyself.blogspot.com

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26 Responses to Daul Kim- eine Annäherung, versucht

  1. Natascha on November 20, 2009 at 07:33

    Ich find das schön, mal wieder was längeres von dir zu lesen und insgesamt die Aussage gut; jedoch bezweifle ich für mich, dass man jemanden, den man nur aus dem Internet kennt, helfen kann. Ich glaube, das hätte kein Stück was gebracht. Und Suizidgedaken auf einem Blog abzulassen, find ich auch absolut -entschuldige- dämlich. Weil, dann lässt man seine 100, 200, 300, 500 Leser wissen, dass es einem ganz schlecht geht, und die meisten werden denken, oh gott, und dann? Sowas find ich schwierig.

  2. AMY&PINK » Der traurige Tod eines Models on November 20, 2009 at 07:38

    [...] (20.11.09, 7:34 Uhr): Ganz so anzeichenlos war ihr Blog dann wohl doch nicht, Vanessa hat sich der Sache angenommen und in ihren Einträgen allerlei depressive Texte und Gedanken [...]

  3. hannah on November 20, 2009 at 09:20

    wow. der text hat mich echt berührt!

  4. Nadine on November 20, 2009 at 09:35

    mich auch sehr. gänsehaut. schön geschrieben, danke!

  5. Vanessa on November 20, 2009 at 10:14

    Nee, durch das Internet helfen geht ja auch gar nicht.
    Dafür ist das dann umso beklemmender, wenn man dann als Leser vielleicht merkt, dass es dem Schreiber nicht gut geht.
    Verantwortungslos oder verwerflich finde ich das nicht oder wenn, dann nur bedingt. Das ist genau wie jemand, der sich vor einen Zug wirft und der dann wahrscheinlich so verzweifelt ist, dass er nicht mehr über Schäden nachdenkt, die er anderen damit zufügt…Ich bin da mit meinen Aussagen immer sehr vorsichtig, weil der Verstand so unfassbar komplex ist, sodass ich nicht wissen kann, inwieweit er sich “ausleben” kann.

  6. eve on November 20, 2009 at 12:02

    ja, beklemmend ist das richtige wort!

  7. Nina on November 20, 2009 at 14:23

    nachdem ich heute schon einiges darüber gelesen habe ist das mit Abstand der beste text,
    der sich deutlich mit dem Blog und den Gedanken der Person beschäftigt hat, auch wenn ich
    nicht alle mutmassungen teile, bin ich doch begeistert über diese sensible Art Anteilnahme
    zu zeigen und Stellung zu beziehen zum Thema. Danke

  8. Leila on November 20, 2009 at 15:40

    Also ich habe jetzt nur Teile des Textes gelesen, da ich an einem fremden Computer bin.

    Ich hatte gestern Abend ähnliche Ideen, wie du sie umgesetzt hast. Ich las in Daul Kims Blog und stieß auf ihre düsteren und dennoch so interessanten Texte und empfand die Idee schöner diese zu posten anstatt ein dahingeschludertes R.I.P a la 2pac Posting.

    Im Großen und Ganzen kann und will ich folgendes dazu sagen:

    Es ist doch kein Geheimnis wie es in diesen Leistungsbranchen zugeht. Verdammt das ist doch kein Geheimnis. Und wer es noch nicht geschnallt hat ist eben naiv. Fussball, Mode oder Verlagsbranche. Alles Leistungsbranchen.

    Jeder weiß es.

    So.

    Das sind Branchen voller karrieregeiler Menschen, die sich alle selbst der Nächste sind und keine Rücksicht auf ihre Umwelt nehmen. Und wenn du da anders reingegangen bist kommst du trotzdem so wieder dort raus, denn sonst hast du da keine Chance zu überleben. Ein Filmzitat, das man gut übertragen kann ist folgendes (aus Indochine 93 ) : ” und ich wünsche mir in meinem dreckigen Herzen, dass sie Kommunistin wird, denn das ist ihre einzige Chance dieses Lager zu überleben – alle anderen sterben!” Das sind zumindest meine Erfahrungen, die ich in der Mode- und Verlagsbranche sammeln konnte. So far.

    Deswegen sitzen dort Menschen isoliert und alleine in ihren Hotelzimmern rum. Und da kann auch kein Blogleser der zufällig auf Dauk Kims Seite gerät etwas ändern. Weil die Leute die ihr helfen könnten ihr soziales Netzwerk in ihrer unmittelbaren Nähe sein sollten (!).

    Was soll man machen, was kann machen?

    Das ist der Preis für eine hochmoderne, schnelle und glitzernde Welt, in der wir uns eben bewegen. Das sind die Leute die auf der Strecke bleiben, die für uns konsumierende Masse bezahlen, die nämlich wiederum die Vorgänge innerhalb dieser Branchen mit ihrem Hunger und Durst nach mehr unterstützen.

    So ist es doch. Alles zwei Seiten der Medaille.

    Ach laber rhababer. Es macht mich wütend, aber man kann es nicht ändern.

    Und dann kommen Leute und wollen möglich schnell ein R.I.P Post raushauen, damit die möglichst schnell viel Clicks auf ihrer Seite haben und eine der ersten waren. Ich möchte niemanden speziell dessen bezichtigen, anständig wie ich bin. (nicht alle die dieser Tage so ein Posting raushauen möchte ich hiermit marketingorientiertes Denken vorwerfen).

    Aber das ist doch wirklich das ekelhafte daran oder?

    Ich danke dir Vanessa für dein Posting, das vielleicht den ein oder anderen zum Nachdenken bewegen wird. Vielleicht. Es denken immer die Menschen nach die sich ohnehin schon zu viele Sorgen machen.

    Ich denke an Daul Kim als ein Symbol für diese schnelle und Konsum gesteuerte Welt. :-(

  9. Natascha on November 20, 2009 at 15:44

    Das stimmt natürlich. Und wahrscheinlich gibt es einfach wichtigeres, wenn man suizidgefährdet ist, als darauf zu achten, ob die Leser sich unwohl fühlen. Ich finde es auch in diesem Fall irgendwie okay; es klingt zwar makaber, aber sie hat auch mit ihrem Suizid bewiesen, dass das nicht nur Aufmerksamkeitshascherei war. Es gibt nur diese ganzen Seiten, die über ihre Probleme in Richtung Essstörungen und Selbstverletzung schreiben und auch Suizid und an denen ich zweifle.
    Ich find das aber richtig, dass du da so vorsichtige Worte fühlst, denn eigentlich geht es ja nicht darum, darüber zu diskutieren. (Entschuldige.)

  10. katja on November 20, 2009 at 16:05

    leila, ich fühle mich zwar nicht direkt angesprochen, da du ja auch ein paar ausschließt, aber ich finde es etwas anmaßend dem großteil der verfasser eines r.i.p. posts marketingorientiertes denken zu unterstellen.
    ich habe das gemacht, weil ich dieses geschehen nicht unbeachtet und anteilnahmslos hinnehmen wollte. und ich hoffe sehr, dass das der ursprung der meisten dieser posts ist.
    andererseits möchte ich nicht über ihren tod und die gründe dafür spekulieren. ich finde es aber gut, wie du vanessa dich damit auseinandergesetzt hast.

    es allein auf die modebranche zu schieben, finde ich wiederrum etwas eindimensional. letztlich wissen wir nichts über daul als dass sie ein model war und melancholische verse in ihrem blog veröffentlicht hat. wir wissen nichts über ihr privatleben, ihre familie, eine mögliche depression usw. und ich möchte darüber auch gar nichts wissen, da ich dazu kein recht habe. ich finde es nur schwer aus ein paar fakten eindeutige schlüsse zu ziehen.

    gibt es statistiken über die selbstmordraten in diesen leistungsbranchen? ich weiß es nicht. selbstmorde von personen, die in der öffentlichkeit und somit in den meisten fällen unter (leistungs)druck stehen, werden wahr genommen. selbstmorde von privatpersonen nicht.
    von einer veranlagung zur depression, die auch vererbbar sein kann, will ich jetzt gar nicht noch anfangen.

  11. Leila on November 20, 2009 at 18:35

    @ Katja.

    Ich habe sehr wohl gesehen, dass du ein solches Posting verfasst hast, genauso wie auch z.B coco von huebsch dich auf.
    Ich will das jetzt nicht vertiefen, weil es zu nichts führen wird.
    Aber so viel: Unabhängige Blogger sind in den seltensten Fällen Teil einer medialen Maschinerie. Manchmal vielleicht schon. Blogger sind nicht die einzigen die sich jetzt mit Daul Kim befassen werden. Es gibt auch Zeitungen, Magazine, Ferseh- und Radiosendungen.
    Ich will nicht spezifisch auf dein Posting eingehen, welches ich, wie einige andere, vollkommen in Ordnung empfand. Nicht zuletzt, weil es wortlos war. Darum ging es mir auch nicht.

    “Ein dahingeschludertes R.I.P Posting”.

    Es wird jetzt jeder zweite Fashionblogger irgendetwas zu Daul Kim sagen. Von den ganz Großen (zähle dich zu diesen) bis zu den ganz kleinen Mädchen, die sie vor zwei Tagen noch auf dem Laufsteg bewunderten und sie überidealisiert, wie glamourös und lebenswert doch ein Topmodelleben ist. Die Mädchen von klein bis groß, die diese Milliarden Industrie zu dem machen, was sie ist. Die dafür Sorgen dass sie Medien so funktionieren, wie sie funktionieren. Ich nehme dir deine Anteilnahme voll ab, wie vielen anderen auch. Es ist nur ein Satz. R.I.P. Aber für mich symbolisiert er einfach viel mehr, ohne dir deine Anteilnahme und dein Bedürfnis diese mitzuteilen abzusprechen. Ich mag den Satz einfach nicht. Warum?

    Meine Kritik war so angesetzt:

    Ebenso wie im Fall Robert Enke werden jetzt die Wölfe die diese Persönlichkeiten mitzerstört haben (und das entnehme ich auch Daul Kims Texten) ihren Tod noch einmal ausschlachten zur Selbstbereichung. Und du kannst mir nicht sagen das sei nicht ekelhaft. Da ist also ein Beckmann unter “höchster Anteilnahme” live von der Trauerfeier zugeschaltet.Hallo, Geschmacklos?

    Natürlich kommen Selbstmorde überall in allen Klassen und Branchen und Ländern vor. Aber jetzt ging es zum Daul Kim und davor noch um Robert Enke. Und grade weil sie jetzt starben gilt es sich damit auseinander zu setzen. Zwei erfolgreiche, junge Menschen.

    Die Frage war: Wie konnte es soweit kommen?

    Natürlich kennt man ihre privaten Umstände nicht. Sicherlich. Aber es gibt viele Menschen, die es aus einer Depression herausschaffen. Aber wichtig ist oft, das Umfeld muss es einem erlauben.

    z.B der Fall Enke (nochmal). Er sagte er wollte auf keinen Fall dass die Depression an die Öffentlichkeit gelingt und lies sich deswegen nicht stationär einweisen.

    Ob er es in einem anderen Leben unter anderen Umständen geschafft hätte – man kann es nicht wissen.

    Aber ich denke schon dass der Beruf eines Topmodels ein hohes Maß an Einsamkeit mit sich bringt. Man kann Freundschaften schließen. Aber selbst eine schon vorher angelegte Depression (die sich schon in der Kindheit entwickelte z.B) ist in diesem Beruf natürlich nicht sonderlich geeignet untergebracht. Denn wie will man von Hotelzimmer zu Hotelzimmer reisend ein festes stabiles Netzwerk an Vertrauenspersonen aufbauen? Vor allem, wenn man diesen Beruf seit dem 16. Lebensjahr ausübt. Das sind halbe Kinder.

    Fakt war es war niemand für sie da, sonst wäre es vermutlich oder vielleicht anders gekommen. Es war niemand da, dem sie sich in ihren letzten Stunden anvertrauen konnte oder wollte. Wie auch immer.

    Kritisch sein bedeutet das System zu kritisieren und auch das System in dem man selber vielleicht eventuell das berühmte Öl im Gebtriebe ist . Die Vorstellung jemand sei umsonst gestorben ist so unakzeptabel. Das bedeutet nachfragen, nachdenken, sich selbst überdenken.

    Zwei Menschen sind durch Selbstmord gestorben. Weil sie offensichtlich kein Teil dieser oder jener Welt sein wollten.

    ZWei Menschen zu viel und das reicht um alles in Frage zu stellen. Zwei Menschenleben.

    Zum Schluss.

    Ein hübsches Zitat welche mir Leyla von Lala Berlin höchst persönlich mit auf den Weg gab:

    “Die Fashionwelt ist nicht Sex and the City, sondern viel mehr der Teufel trägt Prada. “

  12. katja on November 20, 2009 at 19:06

    ja dieses zitat erwähntest du mir gegenüber schon einmal. und da steckt sicher auch sehr viel wahrheit drin.

    ich wollte auch nur darauf hinaus, dass man sowohl bei robert enke als auch bei daul kim die gründe für ihren freitod nie vollständig kennen wird und deswegen die schuld auch nicht allein auf die industrie in der sie arbeiteten schieben kann. dass sowohl in der sport- als auch in der modebranche einiges schief läuft ist klar, aber daran wird sich wohl leider nichts ändern.

  13. Leila on November 20, 2009 at 19:12

    Ich habe keinerorts geschrieben ich schiebe die Schuld VOLL auf die Modeindustrie.

    ABER

    für mich hat die Modeindustrie Mitschuld daran, dass dieser Tod nicht VERHINDERT wurde. “wie konnte es SOWEIT kommen”. Es konnte SOWEIT kommen, weil nämlich niemand da war.

    Aber letztendlich hat sie sich ihren Beruf auch ausgesucht.

    Dennoch.

  14. Vanessa on November 20, 2009 at 19:13

    Ja, ich versteh dich da. Und ich versteh auch, wenn jemand dazu nichts sagen möchte, weil er sich vielleicht das Recht nicht rausnehmen möchte, etwas zu jemandem zu sagen, den man nicht annähernd kannte und sich vermutlich noch ein Urteil darüber zu bilden.
    Man MUSS aber was sagen, man MUSS das ansprechen. Weil jetzt die Chance dazu besteht. Denn gerade Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, haben eben eine enorme Reichweite, einen enormen Bekanntheitsgrad und erreichen die Massen. Ein einfaches „RIP, Daul Kim“, das verstehe ich so auch, Leila, das reicht nicht, weil jetzt die Möglichkeit besteht, eine breite Menschenmenge zum Denken anzuregen. Und ist egal, wer das jetzt anspricht. Hauptsache, es bleibt nicht bei „Wir werden dich vermissen.“ Vereinzelte wollen das nicht, so wie du, Katja, und dafür hab ich auch sehr großes Verständnis.
    Die Medien allerdings, und das ist wiederrum das andere Extrem, schlachten das aus wie alles eben, was auf die Tränendrüse drückt, was betroffen macht.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Robert Enke, den ich vorher nicht kannte und über den man schrieb, er sei ein sehr zurückhaltender Mensch gewesen, gewollt hätte, dass sein Leichnam ins Stadion getragen und seine Trauerfeier auch noch im TV übertragen wurde -mehrfach. Und anstatt unbekannte Betroffene vielleicht zu befragen und Ärzte im TV zu interviewen, fragt man Fans, was sie über den Tod Enkes denken. Ja, es gab zwar Interviews mit oben genannten, aber in der Relation und in meinem subjektiven Empfinden waren das doch recht wenige. Und da besteht soviel Potenzial, weil es eben so viele Menschen ergreift und dann soll man doch diese Chance nutzen. Aber für die Medien ist es nur eine weitere Story, die sich gut verkaufen lässt, das stimmt.
    Klappe aufmachen, auch wenn’s schwer fällt.
    Klar, das Leben geht auch so weiter, aber >wie< es weitergeht, dass lässt sich einen Schritt weg eben doch von uns leiten, auch wenn die immense Eigendynamik öfters als nur manchmal überhand nimmt. Und da hilft halt nur eins: Reden, reden, reden. Und das wird von vielen, nicht von allen, ja, gemerkt, wenn man ernsthaft was ändern will und sich nicht nur aus Eigennutz darüber äußert. Sowas lässt sich nicht verbergen und das sollen wir uns zunutzen machen.

    Und zum Mode-/Medienbusiness: Kein Glamour, sondern das wahre Leben. Den jungen Mädchen wird in keiner anderen Branche so viel vorgelogen und vorgemacht. Und das ist das Gefährliche daran.
    In nahezu allen Betrieben lassen sich allerdings Suizide und Depressive feststellen. In einer Autowerkstatt wird aber kein Glamour vorgegaukelt. Das raue Klima im Business muss ja auch gar nicht allein Schuld an allem sein, aber es trägt schon dazu bei. Es werden einem Mädchen Sachen versprochen, die unter Umständen nie eintreffen werden. Man steigt auf zu den Wolken und fällt dafür danach umso tiefer. Das ist dieses furchtbare Potenzial daran und das trägt doch sicher eben auch dazu bei. In einer Umgebung, die dich nicht fängt, lässt sich’s noch um einiges leichter verschwinden. So salopp gesagt, so ernst das Ganze.

  15. tin man on November 20, 2009 at 23:52

    hattest DU dich nicht letztens bei twitter noch darüber aufgeregt, dass auf jedem kanal über enke berichtet wird? den kenne ja eh “die hälfte der menschheit nicht”, und warum sowas in der ard übertragen werde, es gebe doch so viele depressive, die sich auch jedes jahr wegen depressionen umbringen?? ich fand das damals schon recht geschmacklos, aber jetzt über sie, die ja wohl auch “nur die hälfte der menschheit” kennt, und ihren tod zu reden, der offenbar auch mit depressionen zusammenhing, das ist dann was ganz anderes? ah. ja.

  16. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von pandafck, Kleinod erwähnt. Kleinod sagte: http://www.thepandafck.de/2009/11/20/daul-kim-eine-annaherung-versucht/ – Lang nicht mehr sowas Gutes gelesen. [...]

  17. katja on November 21, 2009 at 10:58

    Auch wenn das jetzt gar nichts mehr mit dem Punkt zutun hat um den es mir anfangs ging, möchte ich trotzdem noch was sagen.
    Einerseits kritisiert ihr die Medien dafür wie sie berichten und über was sie berichten. Andereseits sind es aber genau sie, die man letztlich braucht um eine öffentliche Diskussion anzuregen. Und die wurde und wird meiner Meinung nach auch geführt. Es ging nicht nur darum das Privatleben von Robert Enke auszuschlachten und seine Trauerfeier möglichst quotentauglich zu präsentieren. Ich habe sehr oft gehört, wie man nach Veränderungen sucht, dass Spitzensportlern nun psychologische Betreuung zur Seite gestellt werden soll und, dass man sich um mehr Akzeptanz für diese Krankheit bemüht. Ob das nun der Weg aus der Misere ist, sei einmal dahingestellt, aber meiner Meinung nach passiert da was.

    Soviel nur zu Robert Enke, obwohl eins noch: Dass seine Leichnam durchs Stadion getragen wurde, hätte er vielleicht nicht gewollt, dass aber eine Trauerfeier in diesen Ausmaßen Anteilnahme bei unglaublich vielen Leuten auslöst, macht es in unserer medialen Welt eben möglich und vielleicht auch für viele Menschen nötig diese Veranstaltung im Fernsehen zu übertragen. Daul Kim hätte sicher auch nicht gewollt, dass wir hier in einem öffentlichen Blog über die Gründe und Ursachen ihres Selbstmords diskutieren.

    Leila, man kann nicht pauschal sagen, wenn jemand da gewesen wäre, wäre das nicht passiert. Leider kann man soetwas manchmal nicht verhindern. Man kann niemanden 24h bewachen und auch ein Mensch in einem stabilen sozialen Umfeld, der Liebe erfährt, vielleicht erfolgreich ist und von außen betrachtet alles hat, was man braucht um glücklich zu sein, indem kann der Wunsch nach Selbstmord lauern. Indem kann eine tiefe Traurigkeit sein, die niemand sonst versteht. Dass die Modebranche es für so einen Menschen noch schlimmer machen kann, da stimme ich dir natürlich voll zu. Aber man kann nicht einfach nur sagen, wenn die alle etwas netter, fürsorglicher und herzlicher wären, dann wäre das nicht passiert.

  18. katja on November 21, 2009 at 11:10

    Dass ich mich bei Ursachenforschung, Schuldzuweisungen und Verhinderungsvorschlägen so sehr zurückhalte und nur mit einem kurzen R.I.P. meine Anteilnahme ausdrücke, hat persönliche Gründe. Vielleicht könnt ihr mich jetzt besser verstehen.

  19. Vanessa on November 21, 2009 at 14:02

    @tin man Es ging mir schlichtweg um die Weise, wie berichtet wird und zwar auf privaten wie auf öffentlich-rechtlichen Sendern.
    Dass sich Fußballbegeisterte damit mehr beschäftigen, als ich es jetzt getan habe -nämlich nur intern in meiner Familie-ist klar.
    Was mich damals auf’s Erste aufgeregt hat, ist, dass es soviele depressive Menschen gibt, um die sich keiner schert. Vielleicht hast du das falsch aufgefasst, mir ist das sehr wichtig, dass die Volkskrankheit Depression einfach mehr ausgeleuchtet wird. Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen und ich hab mir Gedanken gemacht und ich finde es nach wie vor wichtig, dass über Depression gesprochen wird und nicht über den Menschen an sich. Und Daul Kim ist einfach nur ein Fallbeispiel, genau wie Enke, über den man im Übrigen aber auch wusste, dass sein Kind gestorben war, was vielleicht mitunter Auslöser war. Das hätte jetzt auch Superstar XY sein können. Oder eine Ruslana, die sich vor einem Jahr umgebracht hat.
    Aber allein eben die Art, wie das medial praktiziert wurde, damit konnte ich mich nicht vollkommen abfinden. Die Pressekonferenz, und auch das ist jetzt meine persönliche Meinung, fand ich einfach nur fraglich.
    Mit einer Berühmtheit lässt sich einfach viel erreichen. Die Person sollte allerdings in den Hintergrund rücken -eben auch aus Diskretion. Aber es soll ein ANSTOß sein, sich damit auseinanderzusetzen. Ich weiß nicht, ob eine im TV übertragene Trauerfeier viel zur Trauerbewältigung beiträgt, klar, zur Diskussion, aber die kann man anders unterfüttern und unterstützen. Aber ich bin auch kein Psychologe.

    Was geschmacklos daran ist, wenn ich anmerke, wieviele Depressive es gibt, die einfach abseits und quasi umsonst sterben, weiß ich nicht. MIr liegt das sehr am Herzen.

    Und Katja, jeder hat seine Gründe und Schicksale und die akzeptiere ich uneingeschränkt. Meiner Meinung hat sowieso jeder das volle Recht, zu tun, was ihm gefällt.

  20. tin man on November 21, 2009 at 15:10

    ich fand einfach die wortwahl geschmacklos. für mich klang es so nach dem motto, was soll der ganze aufriss, den kennt eh nicht jeder und über andere selbstmörder wird auch nicht so ein primborium gemacht. was ja auch klar ist, denn wenn zb ich mich umbringen würde, würde das sicher auch schon niemanden mehr 2 straßen weiter interessieren, im ggs. zu einem fußballidol. damit sich mal jemand um die “ganzen anderen dpressiven schert”, muss das aber nun mal öffentlich diskutiert werden.. denn ich denke, dass es so in die öffentlichkeit getragen wurde, wollte seine ehefrau extra (die hat sicher keiner zur pk oder ins stadion gezwungen), eben weil er sich nie in die öffentlichkeit damit getraut hat; quasi um ein zeichen zu setzen. deshalb finde ich es auch nachwievor gut, dass auf allen sendern darüber berichtet wurde. ich mag den beckmann auch nicht, aber dass der auch nur im entferntesten mit”schuld” an seinem selbstmord hätte und daher nicht die trauerfeier oä moderieren darf, ist einfach mal bescheuert (siehe leila). die familie wollte doch, dass berichtet wird, und zwar damit vllt irgendwann auch mal im leistungssport offen über psychische krankheiten gesprochen werden kann. wenn da nur ein sender mal kurz was dazu sagt und das wars dann, was bringt das dann??!
    naja, darum gehts ja nun eigentlich gar nicht, es fiel mir nur auf, als ich den beitrag hier gelesen hatte, weil er für mich schon ziemlich im ggs. zu deiner meinung zu enke gestanden hat. wenn dem nicht so ist, dann umso besser. via internet ist es eben manchmal leider schwer, einen tonfall rauszuhören bzw nicht rauszuhören.

  21. Vanessa on November 21, 2009 at 15:30

    Ja, es ist halt auch sehr schwierig. Ich bin ja auch kein Experte und kann immer nur von meinem eigenen Empfinden berichtet und das ist in sich auch immer sehr widersprüchlich und kommt auf keinen Nenner, weil ich sowieso das Gefühl hab, das übersteigt meine geistige Komponenz um mehrere Kilometer und man fühlt sich bei solchen empfindlichen Themen auch sehr schnell überfordert, zumindest geht das mir immer so. Und deine Sichtweise versteh ich und nehm ich so auch zusätzlich an. Ich bin niemand, der fest auf einer Meinung beharrt, ich lass mich auch gerne auf andere Sichtweisen ein, damit ich vielleicht klüger aus diesen ganzen Diskussionen gehe, das ist ja auch der Sinn des Ganzen, dass wir von einander lernen und vielleicht was mitnehmen. Darum geht’s ja auch gerade die ganze Zeit.
    Und ich bin sehr empfindlich, was solche Krankheiten, grad Depressionen, angeht und ich weiß auch, dass ich einen recht derben Schreibstil haben kann. Das und kein Ton und Bild ist natürlich sehr förderlich für Missverständnisse, da kann ich ein Lied von singen.
    Bis jetzt hab ich mich immer wieder aus der Scheiße reiten können und da hilft eben nur Konfrontation und viel reden, ich erklär mich gerne, denn sobald man etwas aussagt, trägt man auch Verantwortung dafür.

    Moderation einer Trauerfeier finde ich übrigens schon an sich sehr bizarr. Aber das ist wahrscheinlich nur Geschmackssache und vermutlich auch ein ganz anderes Thema.

  22. Leila on November 21, 2009 at 16:41

    Katja:

    “Daul Kim hätte sicher auch nicht gewollt, dass wir hier in einem öffentlichen Blog über die Gründe und Ursachen ihres Selbstmords diskutieren.”

    hast du sie gefragt?

    Ich finde man sollte es jedem ganz selbst überlassen, wie er damit umgeht und ob er etwas dazu sagen möchte oder nicht. Du als Privatperson. Aber mir ging es eher um die Medien. In jeglicher Form. Und dazu zählen auch Internetpräsenzen. z.B.

    In meinem Bekanntenkreis gab es auch schon Selbstmordversuche, die lediglich daran gescheitert sind, dass da mal jemand vorsichtshalber lieber mal die Tür aufgemacht hat unter der so viel Blut hervorgelaufen ist.

    Aber persönlich denke man sollte allgemein (ich spreche nicht von der Handhabe einzelner Personen) eher darüber sprechen und sich mit dem Thema auseinander setzen. Es gibt nicht nur Taff und Blogs. Es gibt gute Zeitungen, gute Radiosendungen, gute Fernsehsendungen (nicht Sterntv) die sich ganz sachlich mit diesem Thema auseinander setzen sollten. Und ich finde es immer nett wenn Leute ein wenig über die Person für die sie grade ein Posting vorbereiten nachdenken und das eventuell auch öffentlich tun. Wenn man schon ein Posting für eine Person macht die man überhaupt nicht kennt kann man damit ja gleich etwas für den Rest der Gesellschaft tun. Wo liegt denn sonst der Sinn?

    Du hast ein Posting ohne Worte gemacht. Aus persönlichen Gründen. Vielleicht setzt dir das Thema aufgrund von privaten Ereignissen in deiner Vergangenheit zu. Gut. Ist voll zu akzeptieren. Aber ich schließe nicht von dir automatisch auf alle Anderen. Die Meisten posten nämlich ohne sich wirklich damit auseinander zu setzen.

    Die posten weil sie Daul Kim vom Laufsteg kennen oder von Editorials aus der Vogue und denken das war halt eben so eine hübsches und sympathisches Mädchen, das kam ja immer so rüber (glucks, wir kommen wieder zu dem Thema wie die FAshionwelt Persönlichkeiten verkauft) schade dass sie jetzt tot ist, r.i.p Daul Kim.

  23. Leila on November 21, 2009 at 16:42

    “Moderation einer Trauerfeier finde ich übrigens schon an sich sehr bizarr. Aber das ist wahrscheinlich nur Geschmackssache”
    Wo ist denn das bitte Geschmackssache?

    Warum moderiert man denn Dinge? Damit der Zuschauer sich nicht langweilt und umschaltet. So ist das doch.

  24. [...] in New York, der Übercoolness und den Fotos der aktuellen Russh begeistert, und Vanessa von PANDA FUCK versuchte gar eine Annäherung an die traurige [...]

  25. Astrid on November 25, 2009 at 09:11

    Hej,

    ohne viele Worte möchte ich gerne noch diesen Link: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ueber-enke-und-werther/ in die Runde werfen.

    Sollte man nicht lieber die Menschen, bei denen man einen Suizid jetzt verhindern kann, schützen, anstatt toten Menschen nachzutrauern (die man nichtmal persönlich kannte…)?
    Das eine Diskussion über Selbstmord irgendwas an der Zahl der Selbstmorde ändert, kann ich mir mit keinem Stück vorstellen.
    Andererseits wäre natürlich jedes gerettete Leben ein Erfolg!

    Das soll nicht auf dich gemünzt sein, Vanessa, im Gegenteil, dein Eintrag ist seit Wochen einer der wenigen Interessanten die ich zum Thema lese.
    Danke dafür!

  26. mahret on November 25, 2009 at 12:27

    Danke, Vanessa.

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