Veni, Vidi, Vogue Italia

December 3, 2009

Wir machen uns ein Vogue-Cover.

Das geht im Prinzip ganz einfach. Man nehme ein weibliches Model (für unsere Zwecke reicht eine einfache weibliche Person) und ein fotofähiges Handy oder eine einfache Digitalkamera. Vor den Spiegel stellen und abdrücken. Keine Angst, der amateurlastige Effekt kommt von ganz alleine, sodass man nichtmal Photoshop anhauen muss, um etwaige Lichter aufzuhellen oder leuchtende Pickel wegzuschminken und dann laden wir das Ganze bei Twitpic hoch (also eigentlich tun wir nur so, es handelt sich ja um ein Cover).

So oder so ähnlich muss man das machen, will man ein Cover ala Vogue Italia Dezember 2009 produzieren. Wo früher aufwendig noch Fotobearbeitung stattfand, geht das jetzt ganz einfach und ist vermutlich eine Reflektion der Gesellschaft, eine Hommage an Twitter. Steven Meisel hatte die Idee dazu und scheidet mit seinem Werk jetzt die Geister.

vogue
thefashionspot

Die einen finden es witzig, die anderen extrem scheiße. „Sowas kann man ja selber machen“, meckert da einer. Jajaja! Das zeigt doch unsere Entwicklung auf dieser Ebene. Selbermachen, Meinungen sagen -ging doch alles nie einfacher als jetzt mit Blogs, Twitter und Social-Internet generell!
Aber darum geht’s ja eigentlich nicht. Wenn ein Künstler eine schwarz gefärbte Leinwand an die Wand klatscht, kann man sich auch über den Wert dieses Kunstwerkes streiten.
Ich gehöre zur Fraktion, die das Ganze richtig geil findet. Hier zeigt die italienische Ausgabe der Vogue mal wieder den Mut, den wir von ihr kennen, bricht Regeln und von Mister Meisel ist man sowieso einiges gewöhnt.

Aus diesem Cover lässt sich doch quasi dieses ganze Jahr 2009  ablesen: Twitter erlebt seinen weltweiten Aufschwung, hilft Menschen zu mobilisieren und Grausamkeiten der Regierung offenzulegen,  die Presse wird demokratisch, Mode wird demokratisch, die Kommunikationsbarrieren zwischen angehimmeltem Star und Fan bricht zusammen. Twitter wird zur Brücke, bestehend aus 140 Zeichen.
Hier verkörpern die Models, die gewiss in der Szene und unter jungen modeaffinen Mädchen selbst stardom haben, die ehemals Unantastbaren. Für jeden ist etwas dabei: Christy Turlington für die ältere Generation und Liebhaber der alten Supermodel-Riege, Natalia Vodianova und Gisele Bündchen für das breitere Publikum, Kasia Struss für die Youngsters und neueste Eigenmarke Lara Stone…ja, für die Lara-Stone-Fans eben.
Und wieso finde ich dieses qualitativ minderwertige Cover jetzt grade so gut? Weil ich vor mich hinblogge, weil ich Twitter benutze und weil es einfach nicht besser das Zeitgefühl ausdrücken könnte. Hier verbindet sich Mode mit einem Gesellschaftsphänomen, das alle betrifft, die einen Internetanschluss besitzen (auf der Website des Bundesamts für Statistik lassen sich aktuelle -deutsche- Zahlen ablesen: 73%, also ja schon ziemlich viele).
Ich für meinen Teil bin jetzt einfach mal auf die Inhalte gespannt. Vielleicht Facebook-Editorials?
Youtube-Fotostrecken hatte Meisel ja schon vor 3 Jahren in die Vogue Italia gebracht und es war phänomenal. Ein Spiegel der Gesellschaftsentwicklung und das in einem Modemagazin.

mode
Humor nicht vergessen!

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14 Responses to Veni, Vidi, Vogue Italia

  1. Natascha on December 3, 2009 at 17:52

    Ich finds auch genial. :) Auch wenn ich das ganze einfach nicht so ernst nehmen kann, wie du es hier tust.

  2. Nathalia on December 3, 2009 at 18:17

    genial ist wirklich das wort, dass am besten passt. ich bin begeistert von dem mut der italienischen vogue!

  3. missy on December 3, 2009 at 18:38

    also ich finde das etwas billig, da investiere ich mein geld lieber anders.

  4. june on December 3, 2009 at 20:03

    find ich gut. steven rockkks…
    ich muss mir die gleich morgen kaufen

    x

  5. Nadine on December 3, 2009 at 21:23

    Wundervolles Cover mit toller Postzugabe!!

  6. mahret on December 4, 2009 at 00:07

    Definitiv werde ich mir diese Ausgabe kaufen und als Meilenstein der Coverentwicklung im Safe verwahren. Mit Sicherheit eines der Vogue Cover von denen noch in vielen Jahren die Rede sein wird. Wir stehen hier an der Grenze eines großen Umbruchs. Ich jedenfalls finde die Ausgabe SUPER aufregend. HAHA, Nein im Ernst!

  7. Miss Harrcore on December 4, 2009 at 11:02

    Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich es extrem geil finde oder einfach nur bescheuert. Das ist lustig.

  8. tschill on December 7, 2009 at 01:14

    “Aus diesem Cover lässt sich doch quasi dieses ganze Jahr 2009 ablesen: … die Presse wird demokratisch….”
    Bleibt nur eine Frage: Aus welchem Paralleluniversum berichten Sie?

  9. Tim on December 7, 2009 at 10:23

    “witter erlebt seinen weltweiten Aufschwung, hilft Menschen zu mobilisieren und Grausamkeiten der Regierung offenzulegen, die Presse wird demokratisch, Mode wird demokratisch, die Kommunikationsbarrieren zwischen angehimmeltem Star und Fan bricht zusammen.”

    Hallo, zu tief das Näschen in ungesunde Sachen gesteckt? Ich finde es ja besonders wagemutig, die Worte “demokratisch”, “Regierung” und “Presse” im Zusammenhang mit Italien zu verwenden.

  10. Thorsten on December 7, 2009 at 11:09

    Also, da ich in einer Galerie bereits die zitierte “an die Wand geklatschte schwarz gefärbte Leinwand” gesehen habe (der Künstler nannte das übrigens “Schwarz auf Schwarz Nr. 8″, das heißt, es gibt noch mindestens sieben weitere schwarze Leinwände; außerdem war das wohl das teuerste Bild der Galerie, da es als einziges mit einem Annäherungsalarm ausgestattet war (!!)), muss ich sagen, gefällt mir die Idee mit dem Cover wesentlich besser. Hier sieht man wenigstens eine gewisse Intention dahinter, die einen Sinn hat. Bei dem Künstler mit der schwarzen Leinwand hatte ich irgendwie das Gefühl, alles was der ausdrücken will, ist: “Ihr seid alle soooooo doof, Euch das anzuschauen.”

  11. Vanessa on December 7, 2009 at 14:05

    …im Zusammenhang mit einer Modezeitschrift auf einem >mode<orientierten Blog. Dass da nicht alles ernst gemeint ist, keine kritischen politischen Aussagen im Vordergrund und Zentrum stehen und alles nicht so ernst ist, lässt sich doch vermuten, oder? Hier geht's auch nicht um Pressefreiheit und Demokratie oder Italien. Das ist Wortklauberei.

  12. Anna on December 7, 2009 at 20:45

    Ob die Presse wirklich demokratisch ist, bezweifel ich.

  13. Vanessa on December 7, 2009 at 22:21

    Okay, demokratischER als zuvor. Publizieren ist einfacher geworden, zumindest hier in unseren Landen.

  14. [...] ausführlichsten und aufschlussreichsten nachzulesen bei Vanessa: Teil 1 und Teil [...]

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