Blut wird schick.

February 2, 2010

Todschick. Okay, langsam nimmt dieses Blut-/Krankenhausgehabe im Pop Slash Fashion Business in der Tat krankhaft aufmerksamgeile Züge an und man fragt sich, wieso weshalb warum. Okay, dieser ganze Biss-Mist (aka Vampirromane mit schwindsüchtigen -und diese Bezeichnung habe ich einer Ausgabe vom vergangenen Jahr des Sterns entnommen und finde, dass diese vorzüglich passt- Vampiren, die 08/15-Mädchen scharf finden und eigentlich die komplette Natur des Vampirs in den Dreck zieht) hatte ja die letzten zwei Jahre für reichlich Furore gesorgt und ist halt heute das, was vor über 10 Jahren die Backstreet Boys und zig andere Boygroups für die Teenies damals waren. Blut ist jetzt auf einmal nichts Ekliges mehr. Dann kam auch noch irgendwann Lady Gaga dazu, die sowieso die gesamte Popwelt in einen exorbitanten Zugzwang versetzte und nachdem es als weibliche Künstlerin nicht mehr möglich war, aufzutreten, wenn man nicht irgendwie das hübsche Gesichtchen mit ordentlich Glitzerkram und den Luxuskörper mit Space-Kostümen dekorierte.

Der Weg für das Blut und andere (körperliche) „Abartigkeiten“ als Mittel für eine fetzende Show und Entertainment war also geebnet. Nächster Schritt. Es kam also wieder in der zweiten Hälfte von 2009 Stefani Joanne Angelina Germanotta, hups, ich meinte Lady GaGa und brach bei einem Auftritt bei den MTV Video Music Awards in beeindruckender Weise zusammen -blutüberströmt. Danach kam noch was mit Krücken, Halskrause und Rollstuhl und letzten Endes die Sache mit dem Klappsmühlenvideo (“Bad Romance”).

lady gaga
justjared.buzznet.com

Dann war da vor ein paar Wochen die Fashion Week in Mailand für das starke Geschlecht. Vivienne Westwood, der Punk der Szene schlechthin und was macht sie? Springt auf den Zug der vermeintlich Gebrechlichen und lässt sich beim Finale ihrer Show auf einem Krankenbett über den Catwalk rollen. Keine Frage, die Inszenierung war weniger langweilig als der Durchschnittsauftritt (die Klamotten übrigens sowieso), aber was dann folgte, war für mich der Oberknaller (im negativen Sinne). Vielleicht auch in echt genauso mehr oder weniger lahm wie bei Westwood , aber bei ihr bin ich vermutlich einfach nur voreingenommen, weil da soviel mehr dahintersteckt als Inszenierung. Dsquared2, dagegen, sowieso meiner Meinung völlig von Geschmack befreit, zieht gleich mal nach. Zugegebenermaßen, ich bin ein wenig spät dran. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mich Männermode jetzt nicht ganz so brennend interessiert und ich anderes als wichtiger empfand. Aber, was musste ich sehen? Bill Kaulitz (der nebenbei auch was vom schwindsüchtigen Vampir hat mit seinen eingefallenen Wangen und den Flügeln vom Gefallenen Engel) läuft über den Laufsteg von den Zwillingen Dean und Dan Caten, die ihn in OP-Kitteln inklusive Blutspritzer links und rechts begleiten. Was soll das denn jetzt auf einmal alles? Hat das alles eine tiefere Message oder stehen wir jetzt auf Geisteskrankheiten, Krüppel und möglichst viel Blut, nur weil alles schon da gewesen ist?

vivienne westwood

izismile.com

Ich, als Liebhaberin von blutreichen Splatterfilmen, Zombies und ja, mitunter auch Vampiren (die vom guten Scheiß), rufe die Popwelt dazu auf, sich endlich was Neues einfallen zu lassen. Denn selbst wenn Blut, Krücken und der menschliche Körper auf eine bizarre Art und Weise sehr, hm, interessant sein können -irgendwann wird man es leid, diesem Dauergerinsel zuzuschauen. Es ist nicht mehr innovativ, es ist kein Tabu, das gebrochen wird und somit das Ganze spannend macht. So ein bisschen Blut, das hat vielleicht noch im vergangenen Jahrhundert ein wenig geschockt -nichtmal da mehr richtig. Oder nächste Frage: Wieso muss überhaupt alles heutzutage schocken? Lady GaGa ist an allem Schuld. Das wird’s sein. Menstruierendes “Fame Monster” und so.

Das Beste zum Schluss:
dsquared2
justjared.buzznet.com

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5 Responses to Blut wird schick.

  1. jasmin on February 2, 2010 at 18:33

    ich schmeiss mich weg.
    bitte tu mir nen gefallen und schreib mehr.
    so viel du kannst.
    ich brauch echt mehr gründe zum lachen.

  2. nora on February 3, 2010 at 01:24

    Haha, geil :D Musste echt lachen, als ich das gelesen hab ;)
    Muss aber auch sagen, dass ich von dem ganzen (bisher?) noch nichts mitbekommen hab – oder dass es mir jedenfalls nicht SO krass aufgefallen ist…aber ich hoffe, dass das ganze (inklusive Glitzervampire, Lady Gaga-Aliens und dem ganzen Blut da) ein Ende hat, wenn ich mir das letzte Bild anschaue muss ich mich gleich fremdschämen -.-

  3. Madame on February 4, 2010 at 19:26

    wow
    selten sowas hässliches gesehen wie das letzte bild

    nun, es war wirklich alles schon da.
    machen wir doch eien generallbereinigung der festplatte
    und fangen wieder an das feuer zu erfinden.

  4. babszynska on February 6, 2010 at 15:32

    Wird durch Gaga, Kaulitz und Konsorten wirklich das “Image” des Vampirs und Horrors beschädigt?

    Und überhaupt: Warum beansprucht eine vermeintliche Avantgarde den Horror und die Vampire allein für sich? Fast wie ein Kind, das sein Spielzeug nicht teilen will. Waren Horror, Blut und Vampire nicht schon immer populäre Themen? Blut war immer schon schick.

    Die letzten Jahre haben doch außerdem durchaus gute Genrefilme hervorgebracht. Diese haben es immerhin geschafft, den über die Jahrzehnte doch etwas lahmen und einfallslosen Vampir- (und Zombie-) Film aufzufrischen und ihm neues Leben einzuhauchen.

  5. Sue on February 6, 2010 at 22:58

    Kann mich nur anschließen: bitte bitte schreibe mehr solche Texte. Die kann man sich im Prinzip auch gleich ausdrucken, in ein Heft kleben und immer wieder durchlesen.
    Oder alternativ bei Bloglovin unter “loved posts” speichern. (check)

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