Am Anfang war die Idee

October 15, 2010

Ich möchte mir noch keine komplette Garderobe für die Ewigkeit anlegen. Erstens bin ich meines Empfindens nach einfach noch in einem experimentierfreudigem Alter, zwar wird es eher unwahrscheinlich sein, dass ich mich stilmäßig noch einmal komplett umorientiere, aber Tendenzen in verschiedene Richtungen sind nach wie vor möglich, ich bin erst Anfang 20 (und immernoch viel zu schizophren in meiner Kleidungsweise und fände das langweilig). Zweitens hat eine Garderobe für die Ewigkeit (Ewigkeit ist hier sehr relativ) ihren gewissen Preis, eine Anschaffung länger haltender Kleidungsstücke kann in meinem Fall nur nach und nach stattfinden. Und drittens: Man muss erst mal wissen, wer man ist, wie man aussieht, was einem steht und was man eigentlich haben möchte. Das ist ja auch mehr so eine Lebensaufgabe.
Am Besten ist, natürlich, man weiß das alles bereits (oder zumindest ansatzweise). Dann wären wir nämlich schon einen Schritt weiter. Aber erfahrungsgemäß lernt man sich ja selbst mit der Zeit immer besser kennen, sofern man sich mit seiner eigenen Person ein bisschen auseinandersetzt. Und das empfehle ich generell jedem Menschen, auch komplett abseits von der Mode (und hier höre ich mich an wie eine Expertin, dabei will ich einfach nur super intellektuell und versiert wirken).
Ich weiß zumindest schon in etwa, aus welchen Teilen meine zukünftige Garderobe bestehen soll.
Nämlich zum einen aus Ware zweiter Hand, zum anderen aus hochwertiger im mittleren Preissegment angesetzter Designerkleidung (ein gesundes Gefühl für das Preis-/Leistungsverhältnis sollte man sich, wenn möglich, frühzeitig aneignen, eine persönliche Obergrenze, was die Preise betrifft sollte man auch festlegen, das hilft echt ungemein). Wer eine gewisse Ahnung hat, wieviel ein Kleidungsstück wirklich wert ist (Produktion, Material), kann in etwa abschätzen, ob er sich es auch wirklich leisten möchte. Dazu kommen dann natürlich noch persönliche Faktoren hinzu. Für manche mag der Designername einen gewissen nicht abstreitbaren Wert haben. Kann ja durchaus jeder handhaben wie er will.

mode

Selbermachen ist übrigens auch eine Option für die Talentierten und Motivierten.
Ich für meinen Teil mache nicht so gerne regelmäßig selber Sachen beziehungsweise finde den Aufwand zu groß, der ja nicht nur darin besteht, das Stück zu fertigen. Wer Spaß daran findet –umso besser!
Prinzipiell kann ich zusammenfassen, das günstige gebrauchte Ware gerne nur kurzfristig gefallen kann und nicht lange halten muss. Schaffe ich mir ein teureres Kleidungsstück an, muss ich mir schon relativ sicher sein, dass ich es wirklich lange (bzw. längere) Zeit tragen möchte und ich mich nicht irgendwann daran satt sehe. Sollte das dennoch der Fall sein, muss ich mir im Klaren sein, dass nicht alles, was von mir als Klassiker und zeitlos deklariert wird, bei den anderen genauso gut ankommt. Für eine klassische Chanel-Handtasche 2.55 wird man auf Ebay immer noch einen sich lohnenden Verkauf machen können (Beispiel! Ich werde als Studentin oder vielleicht auch generell keine Tausende Euro für ne Tasche hinlegen). Auf einem Kleidungsstück, das einen geringeren Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad hat, wird man unter Umständen sitzen bleiben oder nur einen Bruchteil des Preises erhalten, den man selbst für dieses Kleidungsstück bezahlt hat.
Man sollte deswegen auch vorher ein bisschen abwägen, um möglichst keine Verluste zu machen, die man sich schlichtweg nicht leisten kann (nochmal: mit “man” meine ich prinzipiell meine eigene Person, ich bin, wie gesagt, keine Shopping-Expertin).
Ein Rat also, den ich mir zu Herzen nehme, ist, sich lieber an schlichtere Designs zu halten, an denen man sich nicht satt sehen kann oder eben an Klassiker, die man im Notfall schnell wieder loswird, kann ja immer mal sein, dass man sich geirrt hat und das Ding kein Tageslicht sieht und somit nutzlos im Schrank lagert. So wird ein Stück Stoff oftmals zur Investition, die man im Glücksfall gewinnbringend an den Mann bzw. an die Frau bringen kann. Das aber nur am Rande.

Wieso ich eine im Grunde so logische Sache hier ausführlich behandle? Ich glaube, es gibt viele Menschen, die einfach keine Vorstellung haben, wie sie das mit dem halbwegs intelligenten Konsumieren in ihr Leben integrieren sollen (inklusive mir). Ich hab mir auch erst lange Gedanken gemacht oder machen müssen, wie ich das angehen könnte und habe im Prinzip immer noch nur eine vage Ahnung. Um Interessierten diese kleine Denkarbeit zu ersparen, schildere ich hier meine -zugegebenermaßen etwas dürftigen- Ansätze. In wieweit die übernommen werden, bleibt jedem selbst überlassen. Ich weiß nämlich nach wie vor nur eines: Dass ich nichts weiß. Es ist auch nicht eine so neue Erkenntnis, günstige Secondhand-Kleidung mit hochwertigen Klassikern zu kombinieren.

Man kann sich dann auch noch fragen, wieso ich soviel Zeit in ein für viele relativ belangloses Thema stecke. Kann man. Wenn man sich allerdings etwas intensiver mit der Thematik auseinandersetzt, stellt man fest, dass es gar nicht so belanglos ist. Und hier lasse ich die Erkläung dazu weg, weil im Grunde schon für mich ausführlich genug erwähnt und damit redundant.

Habt ihr vielleicht persönliche Kniffe,  die man hier quasi als weitere Tipps anführen könnte?

7 Responses to Am Anfang war die Idee

  1. V. on October 15, 2010 at 16:54

    Ganz toller Post. Habe mich selber schon sehr sehr ausführlich damit beschäftigt und bin erst vor kurzem auf eine mir persönlich angenehme Lösung gekommen, was Qualität in Relation zu Preis und Beständigkeit der Garderobe betrifft. In den meisten Punkten stimme ich Dir absolut zu, das habe ich mir selber so oder so ähnlich erschlossen: die Notwendigkeit eines Gefühls für Preis/Leistungsverhältnis, Wiederverkaufswert von Designerwaren, und dass man idealerweise schon einigermaßen wissen sollte, was man braucht/wie man am Ende aussehen will.

    Üüübrigens, die Reiterhose in beige von American Apparel in Größe S steht Dir immer als Angebot, denn ich habe die Hose noch einmal in grau erhalten und brauch weiß Gott keine zwei davon.

  2. madame on October 15, 2010 at 22:50

    Ich photographiere Kleidungsstücke gerne bevor ich sie kaufe, dann gehe ich heim, lade das Bild auf den PC und gucke es immer mal wieder an. Meistens verblast der Kaufdrang nach einer Zeit wieder und das Stück ist nicht mehr so toll.
    Ein anderer Tipp wäre mal Recherche zu betreiben, was die Produktion angeht. Es gibt ja einige Organisationen die über sowas aufklären. Oder man könnte mal bei einer Schneiderei anfragen, was ein bestimmtes Stück aus einem bestimmten Material so kosten würde. Das hilft beim Einschätzen.

    Aber schonmal generell thumbs up :) )
    Go Vanessa, du führst die Fashion-Revolution in der deutschsprachigen Bloggerszene!

  3. Sue on October 16, 2010 at 10:24

    Die Idee, die Madame hat, finde ich sehr gut.
    Und überhaupt: bei mir gibt es eher selten Teile, die ich wirklich haben WILL, weil ich sie so genial finde (Beispiel: das Universe-Tuch von Arrondissement Aq1 – für ein Jerseytuch “teuer”, aber einfach sooo klasse!).
    Aber sonst überlege ich schon sehr genau, was ich mir kaufe. Ich stehe zum Beispiel immer wieder vor Pullovern, aber mich hat noch keiner von seinem Potential als “klassische Schönheit” überzeugt, dass ich einen gekauft habe. Ich werde wohl mal demnächst bei COS vorbeischauen, der Laden ist ja quasi ein Hort an klassischen Schnitten. Meinen einzigen klassischen Pullover (grau, V-Neck, Kaschmir) habe ich dort mit 50% Rabatt gekauft und liebe ihn! Solche Fänge muss man machen, dann kann man sich ziemlich gut eine langlebige Garderobe aufbauen.
    Dazu habe ich dann noch einige gemusterte Blusen (Blümchenmuster ;) , die ich drunterziehen kann, damit Abwechslung entsteht. Und ich muss sagen, dass ich echt begeistert bin, wie viel man mit wenigen Sachen variieren kann.
    Ich sehe schon, in spätestens einem Monat miste ich das nächste Mal aus, weil ich mit der Hälfte meiner jetzigen Sachen immer noch genug kombinieren kann.

    Übrigens, mein erster Schritt zu weniger Konsum war, den H&M Onlineshop aus den Bookmarks zu streichen :)

  4. melly on October 16, 2010 at 13:42

    perfekt.
    auf halbem wege beim durchlesen dachte ich; gut, dass sie das aufschreibt was ich denke aber aus iwelchen gründen (faulheit? mangelndes forum? angst vor belanglosigkeit und altbewährten tipps?) nicht selbst aufschreibe/veröffentliche.
    und dann deine stimmiges ende (so meta!!!), dass all diese gründe entschärft und nichtig macht.

    das hört sich gut an und sieht bestimmt auch gut aus!

  5. miriam on October 16, 2010 at 15:23
  6. Marta on October 17, 2010 at 15:14

    ein Trick, der sich bei mir bewährt hat:
    etwas, das man uuuunbedingt haben muss, so lange wie möglich im Laden mit sich rumtragen und NACHDENKEN, ob man das auch wirklich langfristig anziehen wollen wird und ob man es sich leisten kann und ob man nicht schon etwas so ähnliches zuhause hängen hat. meistens leg ich das Zeug nach 20min wieder zurück und das, was den Tragetest besteht, entwickelt sich mit seltenen Ausnahmen immer zu Lieblingsteilen. beim Onlineshopping ist das schwieriger, weil man ja nur ein vorteilhaftes Bild vor sich hat, aber in den Warenkorb legen und lange liegen lassen hat meistens den gleichen Effekt :)
    ansonsten ja.. für so Sachen, die immer irgendwie gehen werden, geb ich schon mal was für die gute Qualität und für ein ordentliches Material aus. wobei ich selbst da versuche, Schnäppchen zu machen, weil ich es mir einfach nicht leisten kann, mehr als 100€ für eine Tasche auszugeben, egal wie supertoll sie auch sein mag. Für das Geld verreise ich viel lieber.

    Second Hand Shops sind wirklich eine der besten Ideen der Menschheit (..): für ein paar Euronen konnte ich schon viele tolle Designerteile “mit Charakter” ergattern. “Trend-Teile” findet man auch nicht selten für einen Bruchteil des Preises bei Zara & Co, weil alles irgendwie irgendwann schon mal so ähnlich da war.

    und überhaupt, schon wieder so ein langer und intellektueller Text- man man man! kann man von meinem Kommentar jetzt nicht gerade behaupten, aber du weißt schon!

  7. Anne on November 4, 2010 at 09:35

    Ich bin so eine Basteltante.

    Minuspunkt, wie schon von dir erwähnt, ist die manchmal Mangelnde Fachkenntnis, das mangelnde Equipment (ich besitze keine Nähmaschine) und, allem voran, die Zeit, die fehlt…

    Daher bildet Second Hand Ware immer häufiger meine Grundlage.
    Hier und da etwas repariert, Details hinzu gefügt, Fussel abrasiert…
    Der Effekt kann ganz oft mit aktuellen “Trends” mithalten, was meinen Geldbeutel und mein Gewissen doch sehr oft entlastet.

    Falls dann doch mal irgendetwas als Schrankleiche endet, verkaufe oder tausche ich es auf der wunderbaren Plattform Kleiderkreisel. So umgehe ich es, politisch absolut verwerfliche Firmen zu unterstützen, pflege den individuellen Stil und kann, falls dann doch irgendwo mal irgendein Teil auftaucht, das ich so in der Art auf keinem Second Hand Basar in meiner Umgebung finden kann, dann kaufe ich es von dem Geld, das ich durch den Verkauf meiner Schrankleichen verdient habe.

    Schau doch mal hier: http://kleiderkreisel.de/mitglieder/924-anne-poprausch

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