Was ein T-Shirt für 4,95€ wirklich kostet

December 20, 2010

 

Seit Längerem bin ich auf der Suche nach diesem einen weißen T-Shirt, das jeder irgendwie im Schrank hat. Bei H&M gibt’s eins für 4,95€. Die aktuelle Ausgabe der Zeit beschäftigt sich mit dessen Herkunft und demaskiert, wie das schon oft passiert ist, die vermeintliche weiße Weste (gut, in diesem Fall eben das T-Shirt), die sich große Konzerne oftmals zu Unrecht anlegen. Ein Artikel, der mir grade sehr gelegen kam. Das Drama lässt sich trotzdem nicht lösen. Die ZEIT schlägt die Website fairwear.org der Fair Wear Foundation vor. Dort finden sich Marken, die sich einem gewissen geprüften Standard unterwerfen (der hier nachzulesen ist).
Der Anspruch an ein simples weißes T-Shirt ist bei mir aber nicht nur die ökologische und ethische Korrektheit, sondern eben auch die Qualität, das Design und ein möglichst unkompliziertes Waschprozedere, man finde da mal den kleinsten gemeinsamen Nenner in Form eines Stück Stoffes.
Aber, für die hippen Leuchten: Acne ist auch dabei. Und Monki, sowie Weekday. Hipster haben also noch einen Grund, sich geiler zu fühlen als der Rest der Welt.
Cheap Monday ist auch dabei. Aber das gehört ja mittlerweile auch zu H&M, zumindest zu 60%, so auf der Website fairwear.org und das ist ja doch die Mehrheit. Ich bin verwirrt.

Ach, die Welt, die ungerechte. Sprach’s und setzte sich mit einer Tasse unethischen Kaffees auf’s kuschelige Sofa.
Seufzen und Stöhnen ist halt auch kein Mittel, kann aber kurzzeitig für Befriedigung sorgen beim bequemen Idealistenvölkchen der Postmoderne. Allgemein und im Resümee kann ich sagen: Ich schäme mich ein bisschen. Für alle, für mich. Aber Mensch, das ist halt auch nix Neues.

Weltschmerz an Weihnachten -kommt immer gut. Aber kauft mal und lest. Man konnte sich das so zwar schon denken, aber nochmal Schwarz auf Weiß ist nicht schlecht. Bisschen Konfrontationsarbeit leisten, so zwischen fettem Entenbraten und Beschnäpselung unterm Tannenbaum. Oder wenn man seine Garnitur aus der H&M-Silvester-Kollektion ausgepackt hat und sich freut, dass man mit dem in die Luft geschossenen Geld in Form von lustig bunten und zischenden Raketen beim Glitzern mithalten kann. Yeah, schönes neues Jahr!

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11 Responses to Was ein T-Shirt für 4,95€ wirklich kostet

  1. Sandra on December 20, 2010 at 16:51

    Ein Artikel, der wunderbar geschrieben ist. Wichtiges Thema, ich habe das jetzt durchgelesen & das sollten alle anderen auch tun.

  2. Sandra on December 20, 2010 at 16:52

    & scheinbar gehört Monki, Weekday und H&M wirklich zusammen, wer bei H&M arbeitet, bekommt bei den anderen Marken auch Rabatte, habe ich mal mitbekommen.

  3. Lola Finn on December 20, 2010 at 16:55

    Ach , ich liiiiiebe die wunderbare Art und Weise in der du schreibst! Geiler Text ;)

  4. Julia on December 20, 2010 at 17:16

    Ich hab da mal eine Frage: traegst du denn ueberhaupt noch H&M Kleidung oder Klamotten anderer Billighersteller ?? Ich finde deine Einstellung total gut, aber so ein Wechsel des Kleiderschrankes braucht ja Zeit und Geld..

  5. Vanessa on December 20, 2010 at 17:40

    Ja, noch elendig viel. Aber zumindest kann ich mich mit einem Fortschritt brüsten, was das angeht. Boah, immerhin. :)
    Ich fass mir dabei ja auch ständig an die eigene Nase. Aber ich arbeite dran.
    Ich möcht’s am Liebsten gar nicht mehr tun, aber wie du sagst, Geld und Zeit ist bei mir nicht allzu groß vorhanden (Zeit vielleicht schon, bin ja fauler Student). Und wenn ich mir bei H&M 5 Tops kaufe, weil das billiger kommt, als wenn mir jemand meine Klamotten von zuhause schickt, dann ist das klar aus ganz eigennützigen Gründen. Ich hab auch noch ein paar Sachen von Asos oder Zara, die trage ich noch, muss ja auch nicht alles auf einen Schlag passieren.
    Ich kann allerdings sagen, nicht mehr aus Spaß an der Freude (dort) zu shoppen. Ich glaube auch, da liegt der Knackpunkt.
    In erster Linie dieses Anhäufen von Klamottenmassen. Wenn jeder nur ein bisschen weniger dort einkauft, dann könnte man in der Hinsicht doch schon etwas erreichen, sehe ich das falsch?

  6. a.m.m on December 20, 2010 at 18:17

    Schöner Bericht. Trifft genau den Zahn der Zeit…Die Gedanken sind bei mir auch angekommen aber mit der Umsetzung hängts noch. In einem Moment denke ich noch 9.95 € für ein Kleid!? Das kann nicht sein, daran kann man nichts verdienen (als Näherin) …aber anprobieren kann man es ja mal.
    Ich arbeite dran.

  7. viviane on December 20, 2010 at 20:33

    Es ist ein riesen Problem unserer Zeit, dass man immer wieder den Verlockungen billig produzierter Artikel nachgibt, weil sie zumindest auf den ersten Blick schön und lohnenswert aussehen. Meist – so meine Erfahrung – entpuppen sie sich dann aber als minderwertig, was die Qualität betrifft.

    Die einzige Alternative sehe ich, was Kleidung betrifft, nach wie vor darin, Secondhandbekleidung zu kaufen. Oder bei EBay nach Schnäppchen zu suchen. Die meisten Leute trennen sich ja bekanntlich genauso schnell von Sachen, die sie unbedingt mal gebraucht haben, wie sie sie käufliche erworben haben.

    Auf meinem Blog werde ich nun verstärtk versuchen, meine Vintage Käufe zu dokumentieren- vielleicht hilft es, wenn Blogger auf solche Alternativen aufmerksam zu machen, statt das neuste H&M Teil zu bewerben?

  8. Dina on December 22, 2010 at 22:25

    Wenn du ein weißes tShirt suchst, ich näh dir gerne eines, für 20€ ohne Stoff, mit Stoff 30€, ich bin Maßschneider und in unserem Atelier verkaufen wir einfache Shirts für 100+ €, selbst ich denke mir manchmal, verdammt ist das teuer, aber es ist eben was

    Wenn wir aber alle einfach etwas weniger bei H&M einkaufen würden, das ist absolut keine Lösung, H&M denkt sich was ist los warum sinken die Umsätze, aaaaah ja der Preis, wir müssen ihn niedriger machen, dann kaufen die Leute wieder mehr …. usw, die Preise sinken, die Schneiderinnen kriegen noch weniger Lohn, müssen in gleicher Zeit noch mehr produzieren, noch unrealistischer produzieren…werden gar gekündigt und bekommen nichts mehr, nichts mal die Schussel Reis

    Ich habe mir vor wenigen Tagen ein Blazer bei Pimkie gekauft, nähtechnisch weiß ich wie unglaublich viel Arbeit dadrin steckt, es ist gefüttert mit Reverskragen selbst die Knopflöcher an den Ärmeln sind aufgeschnitten ES IST AUS WOLLE !!!
    1 Meter Stoff Wolle kostet oft an die 20€ im Stoffladen, ganz zu schweigen das schöne Knöpfe, so viel auch mindestens 15€ kosten
    Der Blazer aber hat nur 15€ (!!!!!!!!!!!!!) gekostet…. unheimlich, gruselig fast… da man selber weiß wie viel das alles wert ist

    Die Kommentare die auf der Zeitseite unter dem Artikel stehen auch komisch/traurig O.o

  9. madame on December 25, 2010 at 11:41

    hands down:

    Du und deine Einstellung sind ein Segen für die deutsche “Modeblogszene”!

  10. Mathias on January 27, 2011 at 14:48

    Die Fairwear Foundation, auf die im Artikel verwiesen wird, ist kein Siegel das aussagt das ALLES in der Lieferkette “korrekt” ist.
    Es geht eher darum, das sich die Firmen bereit erklären an ihren Produktionsstandorten sogenannte Audits durchzuführen.
    Also Erhebungen, wer wie lange wo arbeiten muss, welche Sicherheitsrelevanten Aspekte zu berücksichtigen sind (Gesundheitsschutz, Fluchtwege) etc.
    Auf fairwear.org wird dann ein “Stand der Dinge” veröffentlicht.
    Hier zb Monki:
    http://fairwear.org/2009-11-03/fabricscandinavien

    Firmen, die auf fairwear.org stattfinden sind also nicht direkt “korrekt”, aber machen sich auf den Weg. Das ist schonmal sehr gut und wie weit sie kommen, wird man sehen. Und bei fairwear geht es auch “nur” um Arbeitsbedingungen. Der “Bio(-Baumwolle)” Aspekt wird ausgeblendet.

  11. Nat on January 29, 2011 at 13:03

    Ich lese deinen Blog gerne und regelmäßig und ich bin sehr an Fairem Handel interessiert.
    War letztes Jahr auf der Messe “Fair” in Dortmund. Dort habe ich eine Modenschau besucht mit Fair-Trade-Klamotten. Und dann habe ich im Internet nach Adressen gestöbert, die fair gehandelte Kleidung verkauft, die meinen Geschmack trifft. Habe auch viele davon gefunden!

    Hier mal mein Link dazu:
    http://groppenbruch.blogspot.com/2010/11/faire-messe-zeigte-faire-fashion.html

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