Vom Geschichtsbuch in den Werbespot: das wundersame Leben eines Rainer Langhans

February 2, 2011

Schreiben ist ja schon was, was ich ganz gerne mache. Wenn ich da nicht immer dieses Problem mit den Ideen hätte, die ein bisschen mehr Stoff bieten. Die fehlen mir nämlich ganz oft. Schön, wenn man dann aber immer wieder Futter zugespielt bekommt.
In diesem Falle sah ich unlängst auf Modepilot, dass Rainer Langhans jetzt Werbung für Zalando macht, das zu Werbezwecken für Konsumgüter die Ideale einer Bewegung durch den Kakao zieht; ein Großteil der Bevölkerung mag das lustig gefunden haben.
Ich kenne die 68er nur vom Hörensagen, von den Medien und vom Geschichtsunterricht.
Rainer Langhans war in meinem Geschichtsbuch mit einem Foto seiner Kommune und seinen Forderungen und Ansichten abgebildet. Soviel dazu. Jetzt macht er seine Medientour und tingelt durch die Privaten (Promidinner und Dschungelcamp). Das berührt mich relativ wenig, also es verletzt mich nicht, dass er seinen…äh…Idealen nicht treu geblieben ist, man sollte sich ja eh nie so auf Menschen verlassen, das mal generell in den Raum geworfen.
Langhans und die Konsumkritik wären somit abgehakt, ist sie vielleicht längst gewesen, aber hier wird das noch einmal festlich und in Bild determiniert. Irgendwie muss er ja seinen Lebensunterhalt finanzieren, die veganen Schuhe müssen ja auch bezahlt werden.
Um den Faktor Geld mal außer Acht zu lassen, frage ich ganz naiv: Wieso hat er das gemacht? Andere Gründe außer dem vermeintlich rollenden Rubel hätten mich brennend interessiert. Aus purer Neugierde. Natürlich ist das alles gerechtfertigt, was er sich da von überall her anhören muss. Immerhin war er ja einer von den Lautesten.
Rainer Langhans in einem Werbespot für Schuhe –wer hätte das ’68 gedacht? Gut, wer hätte zu dieser Zeit auch gedacht, dass jemand das Internet erfindet. Oder Onlineshops ohne Versandkosten?  Zalando kriegt schonmal PR -gute wie schlechte. Irgendwann wird dann aber mal die Luft raus sein aus dem, ja, Phänomen Langhans, vielleicht ist sie das auch schon seit 40 Jahren. Mehr als ein Gähnen kommt dann bei mir auch nicht mehr.
Wär aber vielleicht behandlungs- und diskussionswürdig im Geschichtsunterricht, nicht? Vielleicht kommt dabei irgendwas Differenziertes bei den Schülern raus. Wär einen Versuch wert.

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7 Responses to Vom Geschichtsbuch in den Werbespot: das wundersame Leben eines Rainer Langhans

  1. nico on February 2, 2011 at 20:09

    whuat?
    Als die Spots mit dem Double anliefen las ich, dass er klagen will (http://www.art-lawyer.de/index.php5?page=themen&id=3836) und jetzt macht er sie einfach selber?

    Menschen überleben ihre Ideale. Vielleicht sollte man sich einfach lebendigerere suchen.

  2. Kristina on February 2, 2011 at 20:26

    Nunja, Langhans und die damalige Kommune waren damals schon so publicitysüchtig, dass sie sogar ihre eigenen Bild-Artikel (und das waren viele) sammelten. Um Geld ging und geht es heutzutage bei Langhans nie….

  3. Dina on February 2, 2011 at 20:52

    Furchtbar!

  4. rina on February 3, 2011 at 11:10

    Ich finde die Fähigkeit zur Selbstironie eigentlich ganz sympathisch, sei es nun Langhans oder jeder andere. Und uneigentlich muss sich ja wohl niemand, der sich für Mode und Modeblogs interessiert, über Konsumorientierung aufregen ….

  5. Patricia on February 3, 2011 at 14:56

    Sehr schöne, was Langhans allen Journalisten mitteilte, die ihn zu Kommune-1-Zeiten interviewen wollten: “Erst blechen, dann sprechen.”

    Eigentlich bleibt der Mann sich selbst immer treu. Das mit der Konsumkritik war Langhans’ Kommunarden-Kollege Kunzelmann. Im Werbespot hängt man die Ablehnung von Besitz Langhans an, aber so ganz stimmt das wohl nicht. Dagegen die Grundidee der Kommune 1 eines Lebens jenseits des Familienverbundes kommt gut im Werbespot rüber. Mir gefällt die Gegenüberstellung des heutigen Langhans mit seinem frühern Ich. Er hat sich nicht verändert, die Welt um ihn herum aber dafür um so mehr. Das bezieht sich sowohl auf die Gesellschaftspolitik wie auch unser modernes Einkaufsverhalten im Internet.

  6. Mia on February 3, 2011 at 15:47

    Wollte darüber auch schon schreiben. Obwohl ich schon eine zynische Nudel bin, habe ich mir nicht gedacht, dass ich mich über seinen Idealverlust so ärgern würde…

  7. Sue on February 5, 2011 at 22:27

    Erst wollte er Zalando verklagen, weil der junge Typ ja eindeutig ihn darstellen soll, aber man hat sich außergerichtlich geeinigt, dass er eben in einem neuen Spot sich selbst spielt.
    So kann man sich auch wieder ins Gespräch bringen..

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