Empfehlung| Zygmunt Bauman: Leben in der flüchtigen Moderne (edition suhrkamp)

May 6, 2011

Aus gegebenem Anlass aka meiner persönlichen Krise in unserer Gesellschaft, lese ich Bücher wie blöde, ernte besorgte Blicke meiner Eltern, die sich ängstlich zeigen ob möglicher diesbezüglicher Hirnwäsche (und sich wohl gern wünschten, ich sei weniger pseudorevolutionär und kaufte einfach wieder Klamotten und Schminke), denen ich irgendwann in naher Zukunft eine Anti-Sorgenfalten-Botoxbehandlung finanzieren muss und frage mich, wie ich herauskomme aus dieser immer schneller werdenden Tretmühle, die sich Unsicherheit nennt, was mein persönliches Verständnis von Lebensmodell angeht.
Am Klügsten (oder viel mehr am Einfachsten) wäre es wohl, sich der Maschinerie zu unterwerfen. In schätzungsweise 60 Jahren gebe ich sowieso den Löffel ab und bis dahin können wir die Erde ja auch noch in die Tonne treten, frei nach dem Motto: Nach mir die Sintflut!
Allerdings habe ich leise (laute, um ehrlich zu sein) Bedenken, dass diese dumpfe Gefühl in meiner Magengegend nur noch umso größer wird, je älter ich werde und 60 Jahre (wenn alles gut läuft und ich endlich das „Live fast, die young“-Modell hinter mir lasse, denn mit fast 22 Jahren dürfte man ja eigentlich kein Mitglied der inhalierenden Teenage-Angst-Fraktion mehr sein) schon verdammt lange sein können und ich irgendwie damit klarkommen muss. Allerdings weiß ich, dass ich vermutlich nie mehr zurück kann in diesen Trott, den ich ganz klar als einen pubertären sehe und demnach müssten sich noch ganz viele Menschen in der Pubertät befinden. Kurzum: Ich propagiere eine Revolution, die so vermutlich niemals stattfinden wird und eigentlich habe ich auch keine Ahnung, was nach einer Revolution kommen sollte (hiermit äußere ich noch einmal den Wunsch, dass 2012 doch bitte diese neue Lebensebene eintreten sollte, von der sich soviele Verschwörungstheoretiker so viel versprechen).

Während ich also weiterhin frei nach Benjamin in meinem Plüsch klebe und den Arsch nicht hochbekomme (wie denn auch, zum Teufel?!), stelle ich heute meine letzte Lektüre vor.
Es handelt sich um Zygmunt Baumans Leben in der Flüchtigen Moderne und dieses Werk beschreibt nichts anderes als, ja, eben unser Leben in dieser heutigen Zeit, die er da Flüchtige Moderne nennt.

Das Leben also in unserer Konsumgesellschaft wird hier thematisiert, wie sich dieses auf unsere Wahrnehmung und Auffassung im Generellen auswirkt. Es wird beschrieben, wie wir selbst Waren werden, wie wir angehalten werden zum Kaufen und wie bemerkt wird, dass eigentlich alles nur produziert wird, um wieder entsorgt zu werden.
Denn so funktioniert unser Wirtschaftsmodell. Man stelle sich einmal vor, die Menschen kauften nicht mehr ein, ihr Bedürfnis auf welche Sache auch immer, sei endlich befriedigt – die Wirtschaft bräche zusammen und wir stünden vor den Ruinen unseres hart erkämpften Kapitalismus. Völlig undenkbar. Und so halten uns auf der Welt natürlich stets alle Politiker an, doch bitte in die Läden zu gehen und kräftig einzusacken. Wer will schon seinen alten Flachbildschirm behalten, wenn es längst einen noch flacheren gibt. Und sogar mit 3D-Funktion. Wo keine Bedürfnisse mehr sind, da werden neue geschaffen. Und so beginnt der immerwährende Kreislauf von kaufen und entsorgen.

Aber weiter möchte ich nicht ausholen (ein weiteres Posting soll folgen, in dem ich ein wenig mit Baumans Überlegungen arbeite).

zygmunt bauman

Normale Zeitungsleser hätten die Anzeige vielleicht übersehen: „Sechs angesagte Outfits, mit denen Sie der Modeszene im nächsten halben Jahr einen Schritt voraus sind.“ Zygmunt Bauman schlägt daraus theoretische Funken: Wer heute noch die Chuzpe hat „Ich“ zu sagen, sollte schneller sein als die anderen. Doch Achtung: Die Befriedigung hat ein Verfallsdatum – die nächste Frühjahrskollektion kommt bestimmt. In sechs Studien, die auf Vorlesungen am Institut für Wissenschaften vom Menschen in Wien zurückgehen, greift der brillante Essayist seine großen Themen wieder auf: Ethik, die Erinnerung an den Holocaust, Europa, Kunst und Freiheit in der Flüchtigen Moderne, so die Beschreibung auf der Umschlaginnenseite.

Eine große Empfehlung von mir. Ein Werk, das uns zumindest einmal durch unsere Gesellschaft führt, uns die Augen öffnet und bewusst macht, wie wir leben und was uns antreibt.

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2 Responses to Empfehlung| Zygmunt Bauman: Leben in der flüchtigen Moderne (edition suhrkamp)

  1. Sara on May 9, 2011 at 17:19

    Ein philosophishes Buch? Ich soll neulich eins in Sozialkunde lesen.

  2. Vanessa on May 9, 2011 at 22:24

    Philosophisch nicht direkt, aber grade für Sozialkunde doch bestimmt ein interessantes Thema. Frag halt mal deinen Lehrer, ob das klar ginge! :)

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