Review: Rookie Magazine

September 5, 2011

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Keine Ahnung, wie der weibliche Durchschnittsteenager der Vereinigten Staaten so ist. Wirklich wissen, wie die deutschen Teenies von heute ticken, tue ich auch nicht. Wahrscheinlich sind sie genauso scheiße und liebenswert wie zu meinen Zeiten als Fünfzehnjährige. Ich konnte damals wie heute nichts mit ihnen anfangen, wahrscheinlich konnte das kein Teenager so wirklich. Durch den Tanzkurs, den alle so super toll fanden und den mir meine Mutter mehr oder minder aufgezwungen hat, habe ich mich durchgequält. Den Jungs bin ich auch nicht hinterher gerannt. Die in meinem Alter waren mir eh zu dumm. Ich hab von der Welt der Großen geträumt und bin jetzt mehr Teenager als je zuvor. Das Gelbe vom Ei ist es nicht. Der Große Erleuchtung, die ich mir vom Erwachsensein damals versprach, halte ich mittlerweile für einen Mythos, den sich orientierungslose Jugendliche nachts im Bett durch den Kopf gehen lassen, wenn mal wieder alles Baustelle ist.

Wie ein wüster und verzweifelter Teenager stürme ich heute noch durchs Leben. Damals in dieser empfindlichen Zeit las ich triviale Modezeitschriften, die mir sagten, wie ich mich zu kleiden hatte. Und zu fühlen.
Eine Richtlinie zu haben ist in der Teenagerzeit per se nichts Schlechtes. Wenn es aber über Geschlechterklischees und Produktempfehlungen nicht hinaus geht, kann das alles in die Hose gehen.

Jetzt lese ich solche Magazine nicht mehr. Ich kann nicht sagen, ob ich noch glücklich aus der Sache raus gekommen bin oder nicht vielleicht doch den einen oder anderen Schaden davon getragen habe.
Ich lese sie nicht mehr, weil ich weiß, dass die Produktempfehlungen nicht nett gemeint sind, sondern reines Kalkül. Weil ich weiß, dass man trotzdem eine Frau ist, auch wenn man keinen Schuhtick hat oder so genannte Chick Flicks schaut. All diese Diktate, die verpackt sind in vermeintlich gemeinschaftliche, freundschaftliche Heucheleien mit Überschriften wie: „Was wir diesen Sommer lieben“. Nichts anderes als Imperative. Was wir diesen Sommer zu lieben haben.
Teenie-Magazine, die nach wie vor noch sexistische Ansichten der vergangenen Jahrzehnte in ihren Inhalten an die nächste Generation weitergeben, zeigen wenig Diversität, was das Aussehen betrifft. Amerikanisch glatt, ohne Ecken und Kanten. Das sind auch die Idole. Eine wahre Ödnis.

Tavi Gevinson, die Göre, die die Modemenschheit seltsamerweise in zwei Lager spaltet, sah das ähnlich. Allerdings mit ihren 15 Jahren noch sehr viel früher. So kam sie auf die Idee, inspiriert durch das 90er Jahre Sassy-Magazin, ihre Antwort auf den Markt der eitlen und materialistischen Modeheftchen zu werfen. Allerdings nur online.
Schon mehrmals habe ich mich positiv über Gevinson geäußert. Zum einen, weil ich sie sehr sympathisch und intelligent finde. Zum anderen, weil viele sagen, sie sei nicht selbst verantwortlich für ihre Veröffentlichungen, eine Erfindung geschickter Menschen, die mit ihr Geld machen wollen und schlichtweg überbewertet.

Ich erinnere mich gut an einen Beitrag mit Fotos von Tavi aus einem amerikanischen Modeblog, den ich immer gerne las (es muss so 2008 gewesen sein und es gibt ihn leider längst nicht mehr). Tavi war damals eine Freundin der kleinen Schwester der Bloginhaberin und zog bereits damals jede Aufmerksamkeit auf sich. Zurecht, wie ich immer noch finde.
Böse Zungen mögen also behaupten, diese junge Frau sei ein Hype, überbewertet, hoffentlich bald vorübergehend.
Leugnen können sie allerdings nicht, dass Tavi etwas ins Leben gerufen hat, das längst überflüssig war. Und der Hype konnte ihr da nur behilflich sein.

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Tavi Gevinson (c) thestylerookie.com

Die Themen von Rookie unterscheiden sich vom immergleichen Motto der anderen gängigen Zeitschriften für Teenager-Mädchen. So darf man sich wohl auf (hoffentlich auch feministischere) Themen freuen, fernab vom Diätenwahn und gebleichten Beißerchen.
Was die Seite so erfrischend macht, sind die Autorinnen und Autoren: Junge Menschen, meist selbst noch Teenager. Gepostet wird jeweils –und das macht es für mich so herzlich liebenswert– nach dem Unterricht, nach dem Abendessen und kurz vor dem Schlafengehen. Das Magazin ist also perfekt auf den High-School-Alltag abgestimmt.
Die Rubriken handeln unter anderem von Büchern, TV und Comics, Sex + Love, Style und Fiction. Leser-Partizipation wird es auch geben, in Form von Bandvorstellungen und Texten über die beste Freundin, zum Beispiel.
Für Teenager-Fragen stehen übrigens auch Erwachsene parat, wie ich von der Website entnehmen konnte.
Es stellt sich die Frage, wie das in Zukunft wohl so mit der Werbung aussehen wird. Noch ist davon nichts zu sehen. Geben wird sie es aber auf jeden Fall.

Eine Revolution wird Rookie natürlich nicht mit sich bringen. Auch interessieren mich die High-School-Geschichten nicht mehr, allerdings liege ich auch als deutsche Post-Teenagerin nicht in der Zielgruppe. Aber auch das Mädchen in mir kann sich noch erfreuen, hegt Tavi doch eine innige Liebe zum Jahrzehnt meiner Kindheit. Man findet Beiträge, in denen auch meine damaligen Helden erwähnt werden (Rugrats und Hey Arnold!, um nur zwei Beispiele zu nennen).

Viel mehr stellt dieses Online-Magazin einen virtuellen Ort (wenn man so will einen Platz auf dem Pausenhof) dar, in dem sich die ein wenig anders tickenden jugendlichen Mädchen, die nicht so sehr in das Bild des mainstream-amerikanischen Prototypen einer High-School-Beauty passen, die wir alle vor allem über die Medien transportiert wissen, austauschen und sich ihrer Liebe für die Neunziger Jahre frönen können. Vermute ich.
Das ist zumindest mein erster Eindruck. Mal sehen, ob und inwiefern sich diese Meinung in den kommenden Monaten ändern wird. Ich gebe dann selbstverständlich Bescheid.

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