Empfehlung: Kreation und Depression– Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus (Kadmos)

October 11, 2011

kadmos

Meine diesjährige Sommerlektüre sah ich Anfang Juni in einer Buchhandlung liegen. Normalerweise sollte man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen, wie es so schön heißt. Aber das ist auch nur so eine Redewendung und die Aufmachung zählt dann eben ironischerweise selbst dann, wenn es um ein Werk geht, dass diesen Mechanismus auf’s Schärfste kritisiert.
Jedenfalls sprach mich nicht nur der ausdrucksstarke Titel an, sondern eben auch die bronzefarbene glänzende Oberfläche. Und ich gebe zu, dass ich gerne schöne Bücher in meinem Regal stehen hab, das ist dann aber für mich immer eher so ein Sahnehäubchen. Ich entscheide mich auch gerne mal für die teurere Ausgabe eines Buches, wenn die Optik stimmt. Und ich behaupte einfach mal, das ist mein Luxus (wenn auch nicht mein einziger, oh, diese Laster!).
Nun gut.
Kreation und Depression– Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus (herausgegeben von Christoph Menke und Juliane Rebentisch und erschienen im Kulturverlag Kadmos) ist so ein Werk, wo sowohl Form und Inhalt ganz nach meinem Geschmack sind. Das Buch beinhaltet eine Sammlung mit Beiträgen bedeutender Kulturschaffender (z.B. Diedrich Diedrichsen, René Pollesch und Carl Hegemann), einen Text des Soziologen Alain Ehrenberg und diverse andere Denkanstöße und Ansätze von Kunsthistorikern und Philosophen.
Ganz gewiss ist dieses 252 Seiten starke Buch keine Lektüre für zwischendurch. Aufsatzsammlungen lassen sich aber gut und gerne häppchenweise durcharbeiten. Ich selbst habe noch gut die Hälfte vor mir (mir kam ein anderes Buch dazwischen), freue mich aber auf den Rest und spreche jetzt schon mal meine Empfehlung aus.

Der Klappentext:

Eigenverantwortung, Initiative, Flexibilität, Beweglichkeit, Kreativität sind die heute entscheidenden gesellschaftlichen Forderungen, die die Individuen zu erfüllen haben, um an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Sie haben das alte Disziplinarmodell der Gesellschaft ersetzt, ohne dabei frelich die Disziplin abzuschaffen. An die Stelle einer Normierung des Subjekts nach gesellschaftlich vorgegebenen Rollenbildern ist der unter dem Zeichen des Wettbewerbs stehende Zwang zur kreativen Selbstverwirklichung getreten. Es scheint, dass sich Einstellungen und Lebensweisen, die einmal einen qualitativen Freiheitsgewinn versprachen, inzwischen so mit der aktuellen Gestalt des Kapitalismus verbunden haben, dass daraus neue Formen von sozialer Herrschaft und Entfremdung entstanden sind. Innere Leere, gefühlte Minderwertigkeit und Antriebsschwäche scheinen die Kehrseite der Erwartung zu sein, die Einzelnen mögen sich– unabhängig von ihren jeweiligen sozialen Voraussetzungen– in der Teilnahme am gesellschaftlichen Reproduktionsprozess zugleich flexibel und kreativ selbst verwirklichen. Durch diese Entwicklung ist insbesondere ein Verständnis menschlicher Freiheit in die Krise geraten, das sich aus Erfahrungen und Figuren des Ästhetischen speist: Aus der Perspektive der aktuellen Gesellschaftskritik ist die individualistische Auflehnung gegen das soziale Gesetz nach dem Modell der “Künstlerkritik” (Chiapello) heute ebenso problematisch wie die romantische Tradition, in der sie steht. Aber wie verhalten sich die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen tatsächlich zu diesen ästhetischen Modellen und Traditionen der Kritik? Der Band widmet sich dem Stand ästehtischer Freiheit aus soziologischer, philosophischer, kulturtheoretischer und historischer Perspektive. (-Kulturverlag Kadmos)

Der Preis beträgt 19,90€ (ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster, zu behaupten, dass eine Investition in dieses Buch einen größeren Mehrwert hat, als wenn man sich für die Hebammen-Saga entscheidet, immerhin auf der Amazon-Bestsellerliste auf Platz 7, aber was weiß ich schon…).

One Response to Empfehlung: Kreation und Depression– Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus (Kadmos)

  1. Franki on October 24, 2011 at 10:34

    Kapitalismus ist schon eine harte Sache. Ich denke auf jeden Fall, dass die Finanzkassen mal komplett erneuert werden müssen. So ein Buch kann einem da schon neue Aspekte aufzeigen!
    Naja, zumindest hat man die Möglichkeit auszuwandern oder selber sein Geld auszugeben. Ob man das jetzt mit Klamotten, am Finanzmarkt selbst durch Daytrading macht, oder ob man in den Urlaub reist, ist doch egal! Irgendwie geben wir doch immer Geld aus und meistens bleibt in UNSEREN Finanzkassen nichts mehr übrig!
    Oder? Naja, für ein Buch für 19,90 reicht es bestimmt noch! Schreib doch mal, was es dir gebracht hat!

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