Girls (HBO): “Sex and the City” auf hässlich und arm

May 14, 2012

girls

Es hieß einmal, Sex and the City sei eine Serie, gemacht, um Männer darüber zu informieren, was Frauen wirklich denken.
Mittlerweile dürfte allen klar sein, dass auch Frauen, welch Wunder!, über Sex sprechen. Ob SATC eine Arbeit auf dem Gebiet der Emanzipation der Frauen geleistet hat, die ihresgleichen sucht, bezweifle ich ein wenig. Carrie Bradshaw und Co. haben vor allem auch jegliche Klischeekisten munter multipliziert.
Nämlich, dass Frauen notfalls lieber Schuhe kaufen, anstatt regelmäßig zu essen. Dass Frauen die Vogue lesen und nur Cosmopolitans trinken und ihren Traumprinzen im weißen Designerkleid heiraten wollen. Themen, wie sie in jedem durchschnittlichen Frauenmagazin durchgeeiert werden. Das sollte nicht völlig unerwähnt bleiben.
Dem ersten Anschein nach sind die Protagonistinnen der Serie allesamt unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Interessen. Diese bewegen sich allerdings allesamt in einem sehr engen Rahmen, der wenig Individualität erlaubt und der hauptsächlich die Philosophie des weißen “American Way of Life” propagiert.

In Girls, der neuen Serie des Bezahlsenders HBO, geht es auch viel um Sex. Weniger um Schuhe und Drinks, die spielen da eher eine Nebenrolle, ganz einfach weil sich die vier Darstellerinnen gerade so über Wasser halten können. Dass sich junge Frauen plötzlich alle ein bestimmtes Getränk hinter die Binde kippen oder in die Läden rennen und sich ein Kleidungsstück kaufen, welches eine der Damen in einer Episode trägt, halte ich für unwahrscheinlich. Wohingegen ich als Teenager manchmal dem Leben von Carrie und Co. hinterherträumte (und auch das hat, am Rande, viel mit Brainwashing der Mainstream-Medien zu tun), fühlt sich die amerikanisierte Durchschnittsstudentin doch ein Stück weit ertappt.

Hannahs Eltern entscheiden sich kurzerhand, sie nicht mehr finanziell zu unterstützen. Und das, obwohl sie seit einem Jahr ein unbezahltes Praktikum macht und auch sonst keine anderen Einnahmen hat. Ihr Liebesleben ist eine wahre Farce und wenn ihr Objekt der Begierde, ein windiger Taugenichts, ihren Bauchspeck knetet, dann ist das lustig. So wie mindestens die Hälfte der Sexszenen, die in Girls vorkommen. Weil es so nah am Leben ist (zumindest an dem meinen und das mag eine peinliche Offenbarung sein), so völlig ungeschönt. Weil das die meisten Normalsterblichen kennen, die eben keinen Sex haben, der so ästhetisch aussieht wie in einem gängigen Blockbuster mit einer unrealistisch geschönten Frau und einem männlichen Gegenpart, und der uns– natürlich in Anführungszeichen–normale Menschen öfters mal unter Druck setzen kann.
Hannahs beste Freundin und Mitbewohnerin Marnie ist unglücklich mit ihrem Langzeitfreund Charlie, der so nett und einfühlsam ist, dass Marnie keine Lust mehr auf ihn hat. Jessa, hingegen, ist eine rastlose Britin, die in jedem Hafen einen anderen Kerl hat und sich mehr oder minder treiben lässt. Dann gibt es da noch den naiven Sex-and-the-City-Fan Shoshanna, Jessas Cousine, zu ihrem Leid immer noch Jungfrau und mit einem Erscheinungsbild, wie man es aus den niveaulosen Reality-Formaten des Musiksenders MTV kennt. Inklusive Nicki-Anzug anno 2002.

Über die Unterrepräsentation ethnischer Minderheiten in Girls äußert sich die 24-jährige Lena Dunham, die die Serie geschrieben hat und selbst die Rolle der Hannah übernimmt, so darüber: [...]Something I wanted to avoid was tokenism in casting. If I had one of the four girls, if, for example, she was African-American, I feel like — not that the experience of an African-American girl and a white girl are drastically different, but there has to be specificity to that experience [that] I wasn’t able to speak to.“ und verspricht in der zweiten Staffel neue Figuren. Wir werden sehen, inwiefern das umgesetzt wird.

[Als kleiner weiterführende Lektüre empfehlen sich die Artikel hier, hier und hier]

Natürlich, auch bei Girls bleibt der Rahmen ein kleiner. Viele werden sich an den narzisstischen Problemen weißer, doch recht privilegierter Mitzwanzigerinnen mit Mutti und Vati im Rücken nicht erfreuen können. Die Themen, an denen sich die Protagonistinnen abarbeiten reichen von ungewollter Schwangerschaft bis hin zu Geschlechtskrankheiten. Allenfalls kommt das Thema Beruf am Rande vor.
Dass das ein Gros der Fernsehzuschauer vermutlich gähnend langweilig findet, sollte klar sein.
Sollte ich mich unterhalten fühlen– und ehrlich gesagt tue ich das tatsächlich und ich bezweifle nicht, dass ich mich auf recht dünnes Eis begebe wenn ich das zugebe–dann mag das jetzt schon einiges über mich sagen.  Ich werde hoffentlich damit leben können. Und mir schamlos und erhobenen Hauptes die restlichen Episoden ansehen und dabei wissend nicken.

Der Titel ist bewusst plakativ gewählt. Natürlich sind alle Figuren überdurchschnittlich attraktiv und weit davon entfernt, wirklich arm zu sein.
Bildquelle: http://www.boston.com/community/blogs/hyphenated_life/2012/04/girls_in_white.html

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10 Responses to Girls (HBO): “Sex and the City” auf hässlich und arm

  1. Amelie on May 15, 2012 at 06:06

    Diese white-girls-problems zerstören jede Wut in mir. Das nervt. Darf man sich jetzt nicht mehr beschweren, nur weil man weder unter Hungersnot leidet, noch drogenabhängig ist? Wir sind Menschen und Menschen m ü s s e n sich beschweren. Und wenns keine anständigen Probleme gibt, dann suchen wir uns die harmlosen Probleme, die aber eben so lustig sein können, dass man eine gute Serie draus machen kann. Eine intelligente und außerdem sehr lustige Serie, die nicht jeder mag. Da hast du ganz Recht. Ich hoffe, dass sie eine Zeit lang bestehen wird – weil sonst gibts ja momentan wenig Gutes im Serienhimmel. Ach ja, nur stört mich momentan noch Jessas Schauspiel”kunst”. Aber die soll wahrscheinlich eh nur gut aussehen.

  2. Katja on May 15, 2012 at 07:57

    Verdammt ich hab die neue folge noch nich gesehen. Ich bin gespannt wie sich die serie auf lane sicht entwickeln wird. Finde es auch sehr unterhaltsam, aber die besagten themen von “abtreibung bis gesvhlechtskrankheiten” sind ja nun schon durch.

  3. Jessi on May 15, 2012 at 14:17

    die polemik des titels sagt mir zu :D
    doch auch wenn ‘girls’ die großen fragen unserer gesellschaft außer acht lässt, stimme ich amelie insofern zu dass auch die “kleinen dinge des lebens” zum thema werden dürfen und sollen. bisher gab es eben nur tv-formate für liebesfrustrierte anfang- und mittdreißiger sowie priviligierte teenager. da ist es schon eine nette abwechslung, einmal intellektuelle und teilweise gar mit feminismus sympathisierende, charaktere zu erleben.
    wenn dann auch mal das ein oder andere klischee (sexbombe jessa, mollige hannah, jungfrau shoshanna,..) bedient wird finde ich das in ordnung. schließlich läufts auf HBO

  4. Simone on May 22, 2012 at 08:21

    Bin gespannt! Werd heute abend in die Serie einmal reinschnuppern…

  5. mahret on June 3, 2012 at 20:49

    Ich habe heute mit Girls angefangen und ich LIEBE es. Nach dem Hören des Radiobeitrag von Konstantin Sakkas auf SWR2 heute (http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/generation-gesamtkunstwerk/-/id=660374/sdpgid=666335/nid=660374/did=9621458/zzkday/index.html) würde ich Jessi in ihrer Aussage “auch wenn ‘girls’ die großen fragen unserer gesellschaft außer acht lässt” komplett widersprechen. Es ist wohl auch eine Frage der Perspektive, WAS denn die großen Fragen unserer Gesellschaft sind. Oft kommt es mir so vor, als würde Gesellschaft und Individuen abgekoppelt voneinander betrachtet werden. Heute erst schrieb jemand “Bei der Frage nach gesellschaftlichen Strukturen hilft es über den Tellerrand der eigenen Betroffenheit hinaus zu blicken”. Ja und nein, denn schließlich ist die Gesellschaft eine Ansammlung von Indidividuen, die wiederum von der Gesellschaft bestimmt werden. Es ist also nicht so einfach und jede Trennung kann nur künstlich sein. Insofern thematisiert, meiner Meinung nach, die Serie sehrwohl große Fragen unserer Gesellschaft, wenn auch nur in einem Mikrokosmos, der aber recht deutlich das widerspiegelt, was auch mein Leben ausmacht (und ich bin schon ein kleines bisschen älter als die Protagonistinnen). Das mag nicht auf jeden zutreffen. Aber – naja – so ist das eben…

  6. kathrin on June 8, 2012 at 09:52

    Ich wollt schon lange Mal girls schauen, die soll ja nicht mit SATC zu tun haben ausser dass beide Serien in New York spielen…xoxoKathrin

  7. siska on June 9, 2012 at 23:21

    hört sich toll an! kannte ich bisher nocht nicht und gerade gucke ich mir alle SATC-staffeln erneut an..vielleicht wäre das eine lohnende alternative.

  8. Susanne on June 18, 2012 at 14:08

    Dann bekenne ich mich hiermit auch: Ich mag ebenfalls ,Girls’ und habe nachdem ich Dunhams Debut ,Tiny Furniture’ gesehen habe sehnsüchtigs auf den Serienstart gewartet…

  9. carrie on June 24, 2012 at 21:41

    aw, ich dachte schon ich wäre die einzige, der die serie gefällt. klar, am liebsten würde ich morgen aufwachen und mit meinen manohlos die treppe aus meinem apartment in greenich village stöckeln (das ich mir mit dem schreiben einer kolumne finanziere!), elegant ein taxi stoppen, immer perfekt gewaxt, zum lunch brunch bla bla bla, und am abend einen cosmopolitan schlürfen. und new york genießen.
    ich liebe satc und ich denke von solch einem leben träumen viele. ich liebe new york. glaube ich, war ja noch nie da… oder ich liebe das new york der patti smith, wo die apartments in manhattan noch finanzierbar waren, für 100 dollar im monat (!).
    deshalb wohnen die “girls” in brooklyn, mussen schauen wie sie über die runden kommen und haben probleme wie du und ich. ich liebe jede folge der serie, auch wenn sie, wie du ja selbst schreibst, den meisten komisch vorkommen wird, da sie so ganz untypisch unbeschreiblich, nicht wie andere serien ist. eine serie des wahren lebens, des wahren new yorks von heute.

  10. Obelix on July 22, 2012 at 04:39

    Na die Dritte von links in der Mitte sieht ganz niedlich und natürlich aus.
    wie die da dazwischen gekommen ist,
    zwischen die eingebildetet Schreckschrauben und Strumpfhosenhüpfer,
    wo sicherlich schneller aus Ihrem Hös’le sind, wie drinnen, tut Mann sich da fragen.
    statt Der Regie’Ina wird es wohlö dann jetzt Bildbearbeitung?

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