Ode an einen, der auszog, das Keuchen zu lehren: Der Turnschuh

February 14, 2013

nike

Die beiden Turnschuhe, an meinen Füßen sitzend und die sich da im letzten Monat ihren Weg zu mir bahnten, das war ein Nikescher Pärchen. Das nur am Rande. Sie sind pink und stehen damit in starkem Kontrast zu meiner üblichen Farbauswahl, die sich meist auf Schwarz beschränkt.
Zugegebenermaßen handelt es sich nur um ein Paar Schuhe. Schuhe für den Sport, die köperliche Ertüchtigung.

Und wenn es um Fleiß, Schweiß und die Bewegung der trägen Körpermasse geht, muss man alle Register ziehen, um nicht zu rosten, weil man rastet, weil der so-called Schweinehund auf dir sitzt und nicht gut riecht, vielleicht.

Nun sind die unsere Zeiten die Zeiten der Selbstoptimierung, gepaart mit der Zunahme an sitzenden Tätigkeiten und zum Teufel nochmal, man hat sich zu bewegen, wenn man nicht enden will wie diese Menschen im Hollywood-Klassiker Wall-E und überhaupt. Wir kennen das doch alle von den bequemen Römern und deren imposantem Riesenreich, das da unterging in Folge dieser jener Bewegungsunlust, auch Faulheit genannt.

Mag sein, dass Turnschuhe in Neonfarben verzweifelt nach Benutzung gellend und offensiv aufdringlich in deinem Schuhschrank stehen, neben den sonnengewöhnten Sandälchen der letzten Saison, die noch ein wenig nach dem Sand duften, auf denen sie gingen. Ja.
Da stehen sie auch gut.  Noch besser, wenn man sie dann auch ab und zu an die zarten Füße bindet und hinausspaziert. Mit Nordic-Walking-Stöcken. Aber lieber ohne. Und mit einer Geschwindigkeit, die einen schwer atmen lässt. Weil, ohne Sportnazi-Attitüde: das Spaß macht und ermächtigt. Ob sie nun pink sind wie die meinen oder schlicht und einfach weiß.
Nicht umsonst schrieb Johann Gottfried Seume bereits in seinen Reisebeschreibungen:

„Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbständigste in dem Manne und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge. Man kann fast überall bloß deswegen nicht recht auf die Beine kommen und auf den Beinen bleiben, weil man zuviel fährt. Wer zuviel in dem Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordentlich gehen. Das Gefühl dieser Wahrheit scheint unaustilgbar zu sein. Wenn die Maschine steckenbleibt, sagt man doch noch immer, als ob man recht sehr tätig dabei wäre: »Es will nicht gehen.« […] [U]nd wo die Hoffnung aufhört, spricht man: »Es will nicht mehr gehen«. Wo alles zuviel fährt, geht alles sehr schlecht, man sehe sich nur um! Sowie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt. Man kann niemand mehr fest und rein ins Angesicht sehen, wie man soll, man tut notwendig zuviel oder zuwenig. Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.“

aus: Johann Gottfried Seume: Prosaschriften, Köln 1962

 

Ein Leseratschlag meinerseits und übrigens ist die Serie der Zeit, Fett wie ein Turnschuh.
In diesem Sinne,
wir sollten mehr gehen. In Turnschuhen, wer mag.

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